Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- Düsseldorf [Nachricht]
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 85 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vereinsnachrichten 85 - Vereirrsnachrichterr. Die Ortsgruppe DirsseLösrf veranstaltete am 19. November v. I. eine große Versammlung, die von etwa 1000 Personen, auch zahlreichen Nichtjuden, besucht war. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Rabb. Dr. Eschelbacher, sprach Dr. Jsmar Freund-Berlin über „Die Zukunftsaufgaben des deutschen Judentums". Ausgehend von dem Gedanken, daß die Zukunft des deutschen Judentums bedingt sei von der Zukunft des gesamten deutschen Volkes, entwarf der /Redner ein Bild unserer Lage, die leider auf lange Zeit hinaus wenig günstig sein werde. Die Juden seien von diesen ungünstigen Verhältnissen besonders betroffen, weil von judenfeindlicher Seite wie auch in früheren Zeiten versucht werde, sie ungerechterweise für alle vorhandenen Mißstände verantwortlich zu machen. Insbesondere würden die Kreise, die bisher in Deutschland geherrscht hätten, versuchen, das Volk vergessen zu machen, daß sie die Schuld am Kriege und allem Unglück trügen, und die Schuld an allem Uebel auf die. Juden abzuwälzen. Pflicht der Juden sei es daher, diesen Angriffen entgegenzutreten durch energische Abwehr und vor allem durch Aufklärung derjenigen Kreise, die aus Unkenntnis den antisemitischen Beschuldigungen glauben. Die formvollendeten und eindrucksvollen Ausführungen des Redners fanden reichen Beifall. — Hieraus sprach der Syndikus des Centralvereins, Dr. Holländer-Berlin, über „Die Not der Zeit". In eindrucksvoller Weise schilderte der Redner, wie er sich selbst ausdrückte, „die Praxis des Tages ohne Verschönerung und Verschleierung". Auch seine packenden Ausführungen fanden reichsten Beifall. In der Diskussion sprachen auch einige : nichtjudische Herren, deren zum Teil irrige Ansichten von Dr. Eschelbacher widerlegt wurden. 80 neue Mitglieder traten der Ortsgruppe bei. Die Ortsgruppe Hamburg hielt am Sonntag, den 23. November v. I., vormittags, eine stark besuchte Versammlung unter Leitung des ersten Vorsitzenden der Ortsgruppe Hamburg, Dr. Holländer, ab. Das erste Referat hielt Justizrat Kirschner-Posen, welcher in eindringlichen Worten darlegte, wie im Osten mit dem Deutschtum auch ein starkes deutsch-jüdisches Bollwerk, das sich der Centralverein in jahrzehntelanger mühevoller Arbeit errichtet hatte, zusammenbrechen müsse. Das Hauptreferat hielt Dr. Wiener-Berlin über das Thema: „Die Hochflut des Antisemitismus". Er schilderte eingehend die riesigen Mittel, welche den Gegnern zur Verfügung ständen, und stellte die bis ins feinste gehende Organisation der Judenhetze dar, die bisher den stärksten Einfluß in den Kreisen der Jugend und aus dem Lande geltend gemacht habe. Nach Erörterung der Stellung der einzelnen politischen Parteien zur Judenhetze brachte der Redner eingehende Darstellungen der Abwehrmittel. Die schlicht vorgetragenen, rein sachlichen Darlegungen von Tatsachen übten tiefen Eindruck auf die Zuhörer aus. Die Diskussion ergab wertvolle Anregungen, wie der Gedanke der Selbsthilfe in den einzelnen Berufszweigen durchzuführen sei. Die äußerst erfolgreich verlaufene Versammlung erbrachte einen Mitgliederzuwachs von 200 Personen. Am 10. Dezember v. I. veranstaltete die Ortsgruppe Leipzig mit dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus eine Abwehrdemvnstrationsversammlung, die sich zu einem großen Erfolg für unsere Sache ausgestaltete. Der große Saal des Centraltheaters war mit etwa 1200 'Personen gefüllt; die Leitung der Versammlung lag in den Händen des Mehrheitssozialisten Herrn Pudor, Vorstandsmitglied des Abwehrvereins. Dr. Holländer - Berlin, Syndikus des Centralvereins, sprach in einem einstündigen Vortrag, der sich durch sachliche Ruhe und vornehme