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Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 44

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-01-01
Page
44 (sequence 2)
Language
German
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44 3m deutschen Reich vor einigen Tagen eine ähnliche Szene in demselben Lokal aufgeführt haben soll, war ein Dr. Langoff, Friedenau, Goslar st r. 7; nach seinen eigenen Angaben Oberleutnant! Sein Freund, der ihn bei seinen antisemitischen Rüpeleien kräftig unterstützt hatte, entpuppte sich als Ernst Boigk, Inhaber der Leibniz-Drogerie, Kurfürstendamm 51, angeblich auch Oberleutnant und Alter Herr eines ehrenfesten Berliner Korps. Der Inhaber des Butter-, Käse- und Eiergeschäfts A Rosin, Frankfurt a. M., Oederrveg 68, äußerte sich vor einiger Zeit irr feinem Laden in judenfeindrichster Weise über seine jüdische Kundschaft Auf einen entsprechenden Protest einer anwesenden jüdischen Dame erklärte er, er pfeife auf die jüdische Kundschaft. Dies zur Kenntnis des Frankmrter Publikums Die in Meißen erscheinende Fachzeitschrift „Der Chemikalienmarkt" bringt in Nr. 86 vom 16. Dezember aus Seite 10 in dem Artikel „Der Warenmarkt" folgende Aenßervng: ^Der Lebensunterhalt ist hier so teuer, wie wohl nirgends im Reiche, und warum? Weil die Wucherer aus dem Innern, die Berliner Lebensmitteljuden alles hier auflaufen, so daß hier nichts bleibt." Es ist stets bedauerlich, wenn auch Fachzeitschriften sich dazu hergeberg der antisemitischen Propaganda Vorschub zu leisten. Die Folgen haben derartige Organe sich selbst zuz uschreiben. In dasselbe Horn scheint bit schon emmal non uns erwähnte „Schäferzeitung" zu stoßen das Organ des ReichsdundeS deutscher Schäfervereins, die in ihrer Ausgabe vom 15. Dezember einen vom übelsten antisemitischen Geist beseelten Artikel bringt. Apotheker N. Jürgens ett in Hohn, Schleswig, verbittet sich die Einsendung von Preislisten jüdischer Firmen, da er „mir jüdischen Firmen aus prinzipiellen Gründen nichts zu tun haben will". Eine Entschließung de? Hamburger ParteisrganisQÜoR der Deutschen Demokratischen Partei. Die Hamburger Parteiorganisation der Deutschen Demokratischen Partei stimmte der nachstehenden Entscheidung, die in der Presse veröffentlicht wurde, bei: „Der Vorstand der Deutschen Demokratischen Partei Hamburg fordert seine Mitglieder aus, das Treiben der politischen Rückschrittler in Deutschland scharf im Auge zu behalten und zu bekämpfen. Mit der Agitation für die Wiederernenerung der Monarchie, die nicht ohne blutigen Bürgerkrieg zu erreichen wäre, verbinden sich die Bestrebungen, die unselige KlassenherrschaftdesKonservativismus aufs neue zu beleben, obwohl wir jenem angemaßten Regiments den Niederbruch des Reiches in allererster Linie zu verdanken haben. Rücksichtslose antisemitische Agitation dient namentlich de? Deutschnationalen Volkspartei für Ihre Zwecke, die politische Herrschaft zurückzugewinnen. Unredlichkeit und Schiebertum werden von unserer Partei mit der gebührenden Rücksichtslosigkeit verurteilt und bekämpft. Leider sind sie eine Zeitkrankheit geworden, deren Seberwindung noch viele Mühe kosten wird. Unzulässig aber ist es, diese Unredlichkeiten verallgemeinernd unseren jüdischen Mitbürgern zur Last zu legen. Die Absicht dieser 'unwahren, die Gegensätze vertiefenden und das Ansehen des Vaterlandes schädigenden .^etze ist für jeden klar, der die Geschichte des deutschen Antisemitismus kennt. Er hat immer noch da gestanden, wo die politische und wirtschaftliche Reaktion ihr Haupt erhoben haben. Wie einstens ist es auch jetzt wieder: Der Antisemitismus soll dazu dienen, die politischen

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