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Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 41

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
Die Angst vor der Wahrheit
Date
1920-01-01
Page
41 (sequence 2)
Language
German
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Vermischtes 41 So wurde uns von einem Vorträge Werners ln Paderborn mitgeteilt, daß bereits zu Beginn de? Versammlung der Vorsitzende, Dr. Kersting, die dort anwesenden jüdischen Teilnehmer aurforderte, den Saal Zu verlassen. Nachdem unter starkem Beifall eines Teiles der Versammlung den Deutschvölkischen wegen ihrer Feigheit, Juden nicht zuzulasien, einige derbe Wahrheiten gesagt wurden, sahen unsere Glaubensgenossen sich veranlaßt, unter Protest die Versammlung zu verlassen, nicht ohne daß einige christliche Zuhörer ihrem Unwillen über derartige Maßnahmen Luft gemacht hätten. Ein ähnlicher, noch weit krasierer Fall trug sich in einer vor kurzem mWolfenböttel aögehaltenen Versammlung zu,in der ebenfalls Werner-Gießen referierte. Trotzdem zu dieser Versammlung Eintrittskarten verkauft worden waren, wurden unsere anwesenden Wsulrensgenosien aufge?orderL, sofort hinauszugeherr, und Rufe tönten durch den Saal, daß sich jüdische Spi - one eingedrängt hätten. Werner schrie: „Sie haben in einer Berftmrrnlurrg deutscher Männer nichts zu suchen!"' Die Menge nahm dann p TeÜ für, zrrm Teil gegen die jüdischen Zuhörer Partei. Hierbei kam es zu Tätlichkeiten, da zwei jüdische Kriegsteilnehmer, der eine Inhaber des E. K. I., der andere einarmiger Kriegsinv a lide, selöstoerständlich sich weigerten, den von ibnen bezahlten Platz zu räunren. Ws sie unter Gewalttätigkeiten u n erhör tesl er Art doch der Uebermacht weichen mußten, verließ eine größere Menge Leute mit ihnen unter Protest das Lokal, nachdem sie zuvor erklärt hatten, daß anscheinend die Veranstalter die Wahrheit nicht hören wollten und bewußtermaßen nur Lügen verbreiteten. Diese Vorfälle beweisen, daß unsere Glaubensgenossen nicht langer gewillt sind, derartige schimpfliche Behandlungen ungerügt zu dulden, daß aber andererseits die Antisemitenhäuptlinge hinter verschlossenen. Türen Dinge predigen, die das Tageslicht scheuen müssen. Herr Prssesim' Br. Lubarsch, ordentlicher Professor der Pathologie in Berlin, schreibt in einer Broschüre „Zur Frage der Hochschulreform" (S. 44, Fußnote): „Von jüdischer Seite wird den Fakultäten besonders vorgehalten, daß seit Ende der 70er Jahre des vorigen JahrLundens, also seit dem Einsetzen einer starken antisemitischen Bewegung, kein ungetaufter Jude mehr zum ordentlichen Professor vorgeschlagen worden märe, besonders in den medizinischen Fakultäten. Das ist zwar nicht ganz richtig, würde aber immerhin noch nicht allzuviel beweisen, da erst der Nachweis geführt werden müßte, daß die übergangenen jüdischen Dozenten in jeder Hinsicht geeigneter waren als die erwählten Christen. Im übrigen hat hier oft auch die Befürchtung mitgespielt, daß bei dem starken Zusammengehörigkeitsgefühl der Juden die Berufung eines bald solche zahlreicher anderer nach sich ziehen würde. Was wir heute hinsichtlich der Besetzung hoher Staatsamter erleben, dürfte eine bei&tiigg Befürchtung als nicht ganz unberechtigt erscheinen lassen." Schade, daß Prof. Lubarsch in seiner pathologischen Fußnote nicht angibt, wie viel jüdische ordentliche Professoren in den letzten 25 Jahren nach seiner Kenntnis ernannt worden find; ob er — um nur tfeige wenige NamM herauszugreisen — nicht Ehrlich, Hirsch-

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