Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
Ein jüdisches Kriegsgericht in Breslau
Date
1920-01-01
Page
40 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316901-2356935--30816-2357046
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 Im deutschen Reich griff gegen jüdische Richter. Unter der üeberschrist „Ein Mischss Kriegsgericht in Breslau" zetert ein — natürlich anonymer — „Frontkämpfer" darüber, daß am Kriegsgericht der Kommandantur Breslau von 10 dort tätigen Richtern 7, darunter der Aufsichtsrichter, Juden seien, was im ausfallenden Mißverhältnis Zum Prozentsatz der Juden unter der deutschen Bevölkerung stünde. Da man von einem Organ der Qualität des „Deutschen Wochenblattes" eine Richtigstellung dieser wahrheitswidrigen Behauptungen kaum erwarten kann, so sei an dieser Stelle hierzu folgendes bemerkt: Die Zahlen stimmen. Wenn aber der „Frontkämpfer" von einer Anmaßung spricht, so Lügt er. Denn §? mutz genau wissen, daß über die Auwcchl neuer Richter nicht etwa das Kollegium des Gerichts oder der Auffichrsrichter, smldern das znständM Generalkommando in Verbindmit dem KriessmimsteriÄM entscheidet. Die Auswahl geschieht KLch der Rechenfolg? de? Bewerbungen mrd nach Prüfung der Eignung. Wenn smts oi Breslau WnerhaLL der letzten Monats ausschließlich Juden M Mlitärrichtern berufen werden mußten, so las dies daran, daß ihre christlichen Mitbewerber, von denen manche ihre Ernermung bereits erhalten harten, ihre Bewerbung wieder zurückzogen, als sie von den für die jetzige Zeit gänzlich unzulänglichen Gehältern hörten, und sich nach besser besoldeten Stellungen umsahen. Harten Juden dies getan, so hatten Knüppel- Kunze und der „Frontkämpfer" ihnen hieraus sicherlich den Vorwurf der Geldgier und des mangelnden Idealismus gemacht. Der jüdische Auftichtsrichter wurde ernannt, nachdem ein Vorgänger christlichen Glaubens versagt hatte. Er hat seine Geschäfte bis jetzt zur vollsten Zufriedenheit seines Gerichtsherrn erledigt, was man von seinen Vorgängern nicht durchweg sagen konnte. Die „armen" deutschen Soldaten, die vor den Schranken dieses Gerichts erscheinen, bestehen fast ausschließlich aus Fahnenflüchtigen, Dieben und Schiebern, die sich an Militärgut oder am Eigentum ihrer Kameraden vergriffen haben. Charakteristisch ist jedoch, daß angesichts der bevorstehenden Tufhebung der Militärgerichtsbarkeit und damü des Ueberganges der Strafsachen aus die bürgerlichen Gerichte fortgesetzt Anträge der in Untersuchung befindlichen Soldaten gestellt werden, sie doch vor dem Kriegsgericht abzuurteilen und nicht den bürgerlichen Gerichten zu übergeben. Schließlich sei noch festqesteLt, daß das Breslauer Kommandantnrgerichl bereits vor der Revolution, also unter der monarchischen Regierung in annähernd demselben Verhältnis wie heute mit jüdischen Richtern besetzt war, ohne daß es den gewerbsmäßigen Judenbassern eingefallen wäre, deshalb Alarm zu schlagen; wieder ein Beweis, daß mit diesen unflätigen Anwürfen noch andere Zwecke als der einer Bekämpfung der Juden verfolgt werden. Die Angst mt der Wahrheit. In letzter Zeit wiederholen sich die Fälle, daß in öffentlichen, von deutschnational-antisemitischer Seite einberufenen Versammlungen es jüdischen Zuhörern verwehrt wird, den Versammlungen beizuwobnen. Insbesondere scheint es der berüchtigte Judenfresser, Abgeordneter Werner-Gießen, zu sein, der alle Ursache hat, das Licht der breiten Öffentlichkeit zu scheuen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.