Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1919)
- Article
- Tod des Zentrumsführers Gröber [Nachricht]
- Date
- 1919-12-01
- Page
- 537 (sequence 1)
- Language
- German
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Personalia 537 Tod des ZeNtturttssührers Gröber. Durch, den Tod des Führers der Zentrumspartei hat nicht nur 'diese,. Partei einen schweren Berluft erlitten, sondern darüber hinaus empfinden weite Kreise des Volkes schmerzlich den Heimgang dieses bedeutenden Parlamentariers. Auch -wir deutschen Juden haben allen Grund., dankbar der Tätigkeit des Verstorbenen zu gedenken. Er ist, getreu den Anschauungen eines Windthorst und eines Lieber, selbst in der sturmbewegiesten Zeit stets für den Gedanken der Toleranz und der Parität eingetreten. Wir erinnern daran, daß sich Gröber wiederholt im Reichsrag gegen die Zurücksetzung der Juden bei der Beförderung zu Offizieren aufs schärfste ausgesprochen hat. Ebenso hat er stets Gelegenheit gerwmmen, bei der Schächtsrage die antisemitischen Vorstöße zurückzuweisen. Den Kämpfern um das Recht ist ein treuer und'wahrhafter Mitstreiter entrissen worden. Der Centralverein hat an die Zentrmnspartei ein offizielles Beileidsschreiben gerichtet. Ebenso haben einige Ortsgruppen den örtlichen Zentrumsorganisationen chr^ Beileid ausgesprochen. Adolf Weißler. Rechtsstehende Blätter brachten vor kurzem die Nachricht, daß Adolf Weißler, der Begründer und Leiter der „Zeitschrift des deutschen Nomriatsvereins, der Ruhegehalts-, Witwen- und Waisenkassen für deutsche Rechtsanwälte", dessen großangelegte Werke , über das Preußische Notariat und über die Geschichte der Rechtsanwaltschaft berühmt sind, freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Die Beweggründe gib: er in seinem Abschiedsbries an: „Ich habe mit diesem Entschluß seit dem Oktober 1918 gerungen; aber was zu viel ist, ist zu viel. Ich kanndas Leben nicht länger ertragen. Seid überzeugt, mich hat kein anderer Grund getrieben, als die Trauer über d i e 11 e f e S ch nt a ci) u n s e r e s Volkes, d urchaus kein anderer. Es ist besser, gestorben zu sein, als zuleben. Ihr Kinder könnt noch bessere Tage erleben, wir Alten nicht. Ich kann nicht anders.' Gott helfe mir!" Als letzte Bitte hatte er den Wunsch ausgesprochen, aus seinen Grabstein die Inschrift zu setzen: „Er wollte die Schmach seines Volkes nicht überleben!" — Weißler war bis zu seinem Tode Mitglied der jüdischen Gemeinde in Halle. Adolf Weißler. war Jude. Als Jude schieden sich seine Wege weit von denen, die wir gehen. Seine Auffassungen über die Aufgaben des Judentums mußten wiederholt unsere schärfste Mißbilligung erfahren. Aber es darf doch von uns festgestellt werden, daß der Mann, der so geschrieben iinb den die Not des Vaterlandes zu einem freiwilligen Ende bestimmt hat, als einer der Unsrigew gelebt hat und als einer der Unsrigen aestoröen ist. Schluß der Redaktion 29. November 1919. Verantwortlich für Redaktion und Verlag: Dr. Kurt Alexander, Berlin SW. 68. Alleinige AnZeigenannahme: „Kaufmännisch - literarische Verlagsgesellschuftm. b. H., Berlin NW. 23." Verantwortlich für die Anzeigen: Georg Israel, BerlinNW. 23,fieffingfir, 40, Rotationsdruck: MöllerLBorel G.ru.L.H., Berlw.8W.68.