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Im deutschen Reich · 1919-12-01 · Heft 12 (Dezember 1919) · p. 534

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 12 (Dezember 1919)
Article
Prozeß Bruhn - "Frankfurter Oderzeitung"
Date
1919-12-01
Page
534 (sequence 2)
Language
German
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534 Im deutschen Reich gleichen Beschluß die Eröffnung des HauptversahrenZ gegen die sämtlichen Angeklagten in dem vollen von Herrn Bruhn beantragten Umfange angeordnet worden. Antisemiten: Es wird uns mitgeteilt, daß Dr. Daue, Berlin, Gleditschstr. 48, der sich erbietet, zur Promotion in Staatswissenschaften vorzuöereiten, keine jüdischen Hörer annimmt. Die Firma K a rll Doege, Berlin, Friedrich-Wilhelrn-Straße 20, stellt keine Juden an. Uns wird eine GeschäfLZkorrespondenz mit der Brennofen-Baugesellschaft H. FehmerL Söhne, Mansfeld (Prov. Sachsen) zur Durchsicht übergeben. Die Firma verlangte von einem jüdischen Auftraggeber die Vorausbezahlung bestellter Waren. Als dieser die Vorausbezahlung ablehnte, erging Herr Fehmer sen. ohne irgendwelche weiteren Gründe sich in den wüstesten antisemitischen Schimpfereien.? Wir hören, daß sich in Gladenbach in Hessen-Nassau der Fabrikant Ernst Müller, Inhaber der Wollspinnerei O. Müller W w e., stark antisemitisch betätigt. Die jüdische Kundschaft dieses Herrn sei besonders darauf hingewiesen. In der Hirt scheu Buchhandlung in Breslau, Ring 4, Siebenkursürstenseite, sind im Schaufenster zahlreiche antisemitische Broschüren ausgelegt. Auf Veranlassung unseres Breslauer OrLsgruppenvorstand es begab sich ein Mitglied des Vorstandes in die Buchhandlung imii fragte den Inhaber, ob er mit Rücksicht auf den Frieden der Bevölkerung geneigt sei, die Schriften aus dem Schaufenster zu nehmen und sie nur innerhalb des Ladens Zum Verkauf anzuvieteu. Der Herr erklärte sich dazu nicht bereit, da nach diesen Broschüren bei ihm besonders gefragt werde und da er sich im übrigen selbst mit dem Inhalt der Schriften/im Einklang befinde. — Dies zur üenntnfö der Bürger Breslaus. Erklärung des Geh.-Rat Kahl. Am 31. Oktober b. I. sprach in der Berliner Universität Herr G e h. - R a t Kahl bei einer Veranstaltung der Deut s ch-en V ol ksp ar tei über „Die Grundsätze und Ziele dieser Partei". In der Diskussion nahm ein junger Student, namens Conti., der sich bereits wiederholt -antisemitisch betätigt hat, das Wort und gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß der Redner der das deutsche Volk heute bewegenden Haupt- und Lebensfrage, der Judenfrage, mit keiner Silbe gedacht habe und daß man. doch gerne vernehmen möchte, wie sich die Deutsche Volkspartei zu dieser eine Vormachtstellung einnehmenden Sonderrasse und Sondernation stelle, deren Angehörigen in Deutschland keinerlei staatsbürgerlichen Rechte und Wohltaten zuständen. In seinem Schlußwort bemerkte Geh.-Rat Kahl, daß er s ch o n als Kr i e g s t e i l n eh me r v o n 1870/71 von zahlreichen Juden so viel Beweise von wahrhafter Vaterlandsliebe und bewundernswürdigem Heroismus em p f ang en h a b e, daß er si ch n i e und ni m - mer entschließen könnte, einen Juden anders als nach seiner Rechtschaffenheit und Ehrbarkeit, seinem P f l i ch t b e w u ß t s e i n , seiner T ü cht i g k et t und seiner sittlichen FLHrung im allgemeinen zu beurteilen. Er müssees im Namen der Deutschen V o l k s p art ei k-at e-go r is ch ab lehnen, mit derartigen antisemitischen Kundgebungen zu sympathisieren.

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