Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 11 (November 1919)
- Article
- Ungeziefermittel "Pogrom"
- Date
- 1919-11-01
- Page
- 483 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes 483 Aergernis zu erregen. Daß dies auch tatsächlich in großem Umfangs geschehen ist, ist durch eine große Anzahl von an den Antragsteller aus jüdischen Kreisen gerichteten Zuschriften erwiesen worden. Da sonach dem Zeichen nach § 4 Ziffer 3 des Warenbezeichnungs-Gesetzes die Eintragung hätte versagt werden müssen, war unter Anerkennung der Beschwerde gemäß § 8 Ziffer 2 a. a. O. die Löschung anzuordnen. Der „LembSTger Juden-Kongreß". Neuerdings taucht wieder, wie schon früher von Zeit zu Zeit, in antisemitischen Zeitungsartikeln und Reden das Zitat aus dem Vortrag eines Rabbiners auf einem angeblich in Lemberg im Jahre 1912 stattgefundenen Juden-Kongreß auf. Die Antisemiten haben einen gewissen festen Stamm von Lügen und Verleumdungen, die trotz aller tatsächlichen Widerlegungen in gewissen Zwischenräumen immer wieder allen Gutgläubigen aufaetischt werden. Zu diesem Repertoire gehört auch das Märchen vom Lemberger Juden-Kongreß. Es sei also wieder einmal festgestellt, daß ein Juden-Kongreß im Jahre 1912 in Lemberg nicht stattgefunden hat. Es ist daher auch niemals dort eine Rede von einem Rabbiner gehalten worden, die sich in hetzerischer Weise gegen den Katholizismus gerichtet hat. Sie entstammt wahrscheinlich der Phantasie eines polnischen Antisemiten und wurde zuerst polnischen antisemitischen Blättern aufgetischt. Huxaria. In Nr. 99 der Zeitung „Huxaria", des Kreisblaittes für den Landkreis Höxter, fand sich unter der Ueberschrist „Das Ende" ein Gedicht, das heftige, antisemitische Angriffe enthält. Auf eine Beschwerde, die wir d-araufhin an den Landrat des Kreises Höxter gerichtet hatten, wurde uns mitgeteilt, daß sowohl der Landrar wie der Schriftleiter die Ausnahme dieses Gedichtes bedauern, und daß die Veröffentlichung nur auf Arbeitsüberlastung des Schriftleiters zurückzuföhren ist. Liga zur BekLmpftmg des AnLrsemiLisMNs. Wir wiesen bereits mehrfach darauf hin, daß sich unter Ausnutzung der Konjunktur mehrere Organisationen gebildet haben, die unter dem Vorwände, gegen den Äntis-emitismus aufzutreten, Gelder gesammelt haben. Auf diesem Gebiete arbeitet auch die Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus, Berlin, Potsdamer Straße (Untertitel: Verwaltuugsstätte für Logen-Angelegenheiten). In zahlreichen Aufrufen wendet sie sich an jüdische Mitbürger und sucht sie zur Zahlung großer Geldbeträge, die im Kampfe gegen den Antisemitismus gebraucht werden sollen, zu bewegen. W i r? B n it e tt nurnochmals dringend tarnen, dme ^Organisation irgendwie zu unter - stützen. Eme interessante Entscheidung. Die Strafkammer beim Amtsgericht Luölinitz hat am 21. März den Pfarrer Paul Rogowski wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und wegen Beleidigung zu 459 Mark Geldstrafe verurteilt. In einer öffentlichen Rede in Eisdorf ivrach ein Kaufmann Breitenstahl von den Aufgaben der Arbeiter. Der Angeklagte ergriff das Wort, hielt eine deutschfeindliche Rede und rief, man brauche den deutschen Amtsvorstehern nicht mehr zu gehorchen und ihre Anweisungen nicht mehr zu befolgen. Als der Kaufmann Br. ihm ins Wort fallen wollte, rief der Angeklagte: „Was will der Jude, warum habt ihr Juden als Gemeinderate, haben sie die christliche Kirche gebaut oder wir?" Das Gericht hat in den zuerst erwähnten Worten dem Tatbestand des §110 St. G. B. erblickt, in der wegwerfenden Bezeichnung des Herrn