Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 11 (November 1919)
- Article
- Furchtlos und treu
- Date
- 1919-11-01
- Page
- 476 (sequence 2)
- Language
- German
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476 In ^rutschen Reich entgegenzutreten. Als Namen wählte man „Sprevia", als Farben GeD-Weiß-Schwarz. Gelb als die Farbe des Males, das man der: Juden ausibrannte, wenn sie das Ghetto verließen, Weiß-Gchwarzstrks die Farben Preußens, in dessen Hauptstadt man die Verbindung gründete. „Furchtlos und treu" war der Wahlspruch. Furchtlosigkeit war notwendig, um zahlenmäßig, so schwmh wie man war, fast der ganzen Studentenschaft gegenüberzutveten. Furchtlosigkeit war aber besonders vonnöten, um "den Kampf gegen den JndifserentisMüs unter den eigenen Glaubensgenossen auszulösen. Das, was die meisten K. C.-N-eugründungen im Jahre 1919 erlebt haben, erlebten damals die Spreven. Die jüdische Philisterschaft hatte nicht nur kein Interesse und Verständnis für die Zlbsichten der Sprevia, sie scch sogar in der bewußten Betonung der Zugehörigkeit zum Judentum eine große Gefahr, da sie davon ein neues Aufflackern des Antisemitismus erwartete. Damals, wie jetzt, glaubte man in weiten Kreisen, daß die wirksamste Bickämpfmrg des Antisemitismus dadurch erfolgt, daß man sein Judentum verleugne und womöglich gar im Stiche, lasse. Mit dieser Ansicht räumten die Spveven gründlich auf. Und diese Gründlichkeit, mit der sie es taten, brachte ihnen damals zum großen Teile die Feindschaft der Berliner Philisterschaft ein. In schwerem Kampfe gelang es ihnen, an der Universität den Radau- Antisemitismus zum Schweigen zu bringen und den Kommilitonen vor ihrer Couleur einen Respekt einzustötzen, der geradezu sprichwörtlich geworden ist. Sobald der äußere Feind soweit niedergckLnpst war, daß man an sich selber denken konnte, La setzte auch gleich in der Sprevia die Beschäftigung mit den jüdischen Angelegenheiten ein. Als man sich im Jahre 1894 zusammenschloß, war die Zionistsirsrage noch keineswegs brennend^ so daß man damals von einer Festlegung der Sprevia in irgendeinem Sinne absah. Bald nahmen aber auch dort die Zioniftendebatten ihren Anfang, und auch in ihr fanden sich Köpfe, die diesen Ideen zugänglich waren. Die Sprevia in ihrer Mehrheit verhielt sich jedoch diesen Ideen gegenüber ablehnend, und ans ihren Kreisen stammt auch die Formulierung des jetzigen K. C.-Tendenzparagraphen, der folgender. MÄßen lautet: . „Die Verbindungen tm K. C. stehen auf dem Boden deutsch./ vaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck die Bekämpfung des Antisemitismus in der Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur und Rechtsgemeinschaft mft dem deutschen Vaterland unlöslich Verbund denen Bolksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für diepolitische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzu-q treten. Zu den politischen und religiösen Sonderbestrebungen inner-? halb des Judentums, soweit sie der Tendenz von Absatz 1 nicht Widers sprechen, nehmen die Verbindungen im K. C. keine Stellung. Der K. C. lehnt die Lösung der deutschen Judenfrage außerhalb Deutschlands ab." Dieser letzte Satz, der im Jahre 1911 hinzugefügt wurde, wurde/ vom V. I, St. (Verein jüdischer Studenten) alK KriegseELrung-