Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1919)
- Article
- Zu den Antisemiten und Alldeutschen
- Date
- 1919-10-01
- Page
- 439 (sequence 1)
- Language
- German
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Vermischt^ 489 Zu der; Antisemiten und Alldeutschen gehören die A gr ar i er, die Mitglieder des antisemitischen Bundes der Landwirte. Die materialistische Gesinnung dieses Bundes, der ja nur zur Verfolgung einseitiger Erwerbsinteressen gegründet wurde, ist selbst während des Krieges nicht eingeschlafsn. Vom Land aus begann die Bewegung, die leider allmählich %u den immer Höher hvachsenden Kosten des täglichen Bedarfs geführt hat. Die hohen Preise für Lebensmittel, die im Schleichhandel in jeder Menge zu haben waren, waren auch eine der Ursachen der Revolution. Das Land ist nicht jüdisch. Die Verkäufer der Boidenfröchte, die sich gegen das Gesetz und gegen das Volk in verlbrecherWer Weise verg-in^n, sind Nichtjuden, zum größten Teil Antisemiten. Auch nach dem Kriege wird das frevle Spiel fortgesetzt. So sah sich der „Württembergische Staa-tsanzeiger" am 8. September genötigt, halbamtlich folgendes zu schreiben: „Die Anlieferung von Brotgetreide in Württemberg ist derart minimal, daß, wenn die Mehllieferungen aus Norddeutschland nicht immer wieder einträfen, man schon mitten in der gefährlichsten Brotnoi stände. Der Grund der Richtablieferung ist nicht so sehr, wie man glauben müßte, in den Schwierigkeiten des Verkehrs zu suchen, als in der Absicht, die Not des Volles auf das Höchste auszunutzen. Wenn heute die geringsten Betriebsstörungen eintreten, steht man in Württemberg infolge der unverantwortlichen Gewissenlosigkeit in Kreisen, in denen man sonst religiösen Sinn und Pflichtbewußtsein anzutreffen gewohnt ist, vor dem schlimmsten Brotmangel . . . Bedenkt man denn in diesen Kreisen nicht, wie gefährlich ein weiteres Verharren im Lieserungsstreik werden kann? Weiß man denn dort nicht, daß der Hunger den besten Menschen zur Bestie machen kann? Glaubt man denn, die Masse des Volkes werbe eine solche Not und Entbehrung ohne Verzweiflungstaten über sich ergehen lassen?" Antisemitische Blätter Wer eins VersaMmlung des Centraloevems. Die Antisemiten halten es neuerÄngs für zweckmäßig, die Versammlungen des CsntraLverems zu besuchen. Uns kann das natürlich nur sehr recht sein, denn?v erfahren die Herrschaften aus erster Quelle, wie wir über sie und ihre Kreise denken. So besuchten sie auch kürzlich eine Versammlung der Ortsgruppe Schöneberg, in der Herr Dr. Wiener über die Pogromhetze referi-erte. Die Tatsache, daß wir uns gestatteten, über das. antisemitische Treiben abfällige Bemerkungen zu machen, hat nun' die Herren .furchtbar aufgeregt, in spaltenlangen Artikeln der „Deutschen Zeitung", der „Deutschen Tageszeitung", der „Kreuzzeitung" und des „Deutschen Wochenblattes" befassen sie sich mit den Ausführungen unseres Redners, die sie natürlich in lügenhafter Weise entstellen. Wir haben uns gegenüber diesen antisemitischen Anzapfungen mit folgender kurzen^Notiz an die Öffentlichkeit gewandt. „Dir Deutschs Tageszeitung, dis Deutsche Zeitung, die Kreuzzeitung und das Deutsche Wochenblatt veröffentlichen Berichte und Betrachtungen über das Verbot des Deutschen Wochenblattes und über eine Versammlung unserer Ortsgruppe Schömberg, die von groben Entstellungen strotzen. Wir sind aus Mangel m Zeit und Papier nicht in der Lage, uns mit jeder von irgendeinem Antisemiten erfundenen Berdächttgung auseinander z« fetzen. Heute sei nur das eine hervorgshoden: Der Central-