Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1919)
- Article
- Eine neue Taktik der "Deutschen Tageszeitung"
- Date
- 1919-10-01
- Page
- 431 (sequence 2)
- Language
- German
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Gins neue Taktik der „Deutschen Tageszeitung" 431 Judeufrage" finden. Wir wollen uns in diesem Zusammenhang nicht mit dem übrigen Inhalt dieser Artikel, die sich in bekannten Erörterungen Wer die Natur des Fremdseins Von Juden und Nichtjuden ergehen, befassen, sondern wir wollen hier nur uns mit der neuen Entdeckung'dieses Blattes beschäftigen. Die „Deutsche Tageszeitung" beginnt die ganzen Auseinand-erjetzungen mit folgenden Worten: „Juden und eine Jüdin haben im Laufe der letzten Zeit auf der Straße Anstoß daran genommen, daß judengegnerische Zeitungen usw. feilgeboLen wurden. In Leiden Fallen ist es zu Gewalttätigkeiten gekommen. Dia Jüdin hat dem ZeitungsverkLu-fer ins Gesicht geschlagen. Im anderen Falle, der noch weiterer Klärung bedarf, hat der Jude Don seiner Armeelade- Pistole Gebrauch gemacht. Ein Deutscher ist dabei schwer verwundet worden." Und im anderen Zusammenhang sagt die „Deutsche Tageszeitung": „Was die auf der jüdischen Serie ohne Aufhören und in möglichst greller Aufmachung angeumdigten „Pogrome" in Deutschland'anlangt, so sind das Manöver, die in Deutschland Stimmung gegen Judengegn-erschaft und ihre Verurteilung erzeugen sollen. Bis jetzt haben wir, wie gesagt, nur Gewalttätigkeiten von Juden gegen Deutsche Zu verzeichnen gehabt." Wahrlich! kein Engel ist so rein wie die Antisemiten. Die Herrschaften scheinen der überheblichen Ansicht zu sein, daß sie sich jedes Verbrechen und jede Gemeinheit gegen die Juden erlauben dürfen. Wenn aber ein Jude es wagt, seine Ehre und feinen Glauben, die hier in pöbelhaftester Weise besudelt werden, zu verteidigen, so wird er alsbald Zu einem Verbrecher -am Deutschtum gestempelt. Wir wollen es dem Urteil vernünftig und ruhig denkender Menschen überlassen, sestzustelleu, wo die größeren Verbrecher am Deutschtum sitzen: Lei denen, die die heutige Zeit für geeignet halten, noch mehr Unruhe und noch mehr Haß zu säen, oder bei denen, die ihre ganze Kraft für den Wiederaufbau des Landes Einsetzen. 'Und es ist eine Naivität sondergleichen, die die Gemütsverfassung der Antisemiten am besten charakterisiert, anMnohmen, daß derartige notwendige Vert-eidigungsmaßnahmen der Juden den Antisemitismus herausbeschworen oder gar verschärft Huben. Wir können nicht glauben, daß aus diesen Unsinn nur einer, der die Verhältnisse kennt, hereinfallen kann. Aber festgestellt soll es doch noch einmal werden, daß wir seit Ende der 60er Jahre einen verzweifelten Kampf um unsere Gleichberechtigung und unsere Ehre führen, daß wir in unseren Rechten verkümmert werden, und daß wir daher uns wehren müssen. Don wem -aber jene Bewegung ausgeht, -die danach trachtet, einen arbeitstüchtigen Teil des deutschen Volkes zu entrechten, das brauchen -Wir -wohl, wenn wir uns hier mir der- „Deutschen Tageszeitung" und ihren Hintermännern zu befassen haben, nicht näher darzulegen. Wenn die Antisemiten uns schmähen und -bekämpfen, so Haber? wir nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, uns mit' allen Mitteln dagegen zu wehren. Me Pflicht erwachst uns um so mchr, als wir — was wir auch an dieser Stelle schon einmal b-etsnt haben — die Berechtigung einer antisemitischen Agitation nicht -anzuerkennen vermögen.