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Im deutschen Reich · 1919-10-01 · Heft 10 (Oktober 1919) · p. 427

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 10 (Oktober 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-10-01
Page
427 (sequence 8)
Language
German
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Umschau 427 Georg Hermann gibt zu, daß auch andere Volker vielleicht nicht besser waren als das deutsche,unÄ meint, dann würde eben der Gegensatz „W e st- Juden und Europäer" heißen. Das ist aber ein fundamentaler Unterschied, ob ich einen Gegensatz Jude und Deutscher oder Jude und Europäer auf stelle. Wir als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens wollen, so Levechtigte Beschwerden wir auch gegen das Treiben vieler Mitbürger zu erheben haben, uns nicht in Gegensatz zu den Brüdern anderer Religionsbekenntnisse und anderer Abstammung stellen. Wir dürfen uns nicht entwurzelt fühlen, weil wir „demontiert" sind. Wir wollen — und das ist auch eine Mission! — daran Mitarbeiten und dafür kLnepsen, daß es bei uns lichter, schöner und erfreulicher werde. Im Unglück zeigt sich Deutschland noch weniger als Siegelbewahrer des Menschentums, sagt Hermann.' Wieder eine Gegenfrage: Wer hat die größere Verpflichtung, das Menschentum zu hüten? Derjenige, der als Sieger das Schicksal des Erdballs und vornehmlich das Schicksal Deutschlands in der starken Faust hält, oder der, der nach einem Krieg gegen die halbe Welt ausgehungert, verwildert, demoralisiert ist, dem ein schweres Joch aus den Nacken gelegt wird, während er sich auf den Trümmern einer alten Staatsordnung, die vielen immer noch lieb und erstrebenswert ist, in chaotischer Hast sin neues Gebäude, ein Notgeöäude Zimmern muß, wobei die Bauenden sich gegenseitig in die Haare geraten? Macht verpflichtet, Kraft verpflichtet, des Siegers edle Pflicht ist Großmut, ist Menschlichkeit. Sitzen drüben nicht die viel schlechteren, pflichtvergesseneren Siogelbewahuer des Menschentums? Die Zustände in Deutschland sind mehr als „degoutierend", sie sind entsetzlich, sind schwer erträglich; Deutschland liegt an allgemeiner moralischer Erkrankung darnieder. Man darf jetzt und in der nächsten Zeit an unser Vaterland nicht den Novmalmaßstab legen. noch weniger den strengen Waßftab des Idealisten. Die ideale Forderung eines ©reger Werle ist berechtigt. Sie wurde tragikomisch, als Greger seine Forderung einem untauglichen Subjekt, einem Ekdal, präsentierte. Die Eigensucht ist obendrein keine spezifisch deutsche Eigenschaft, ist universell, und läßt sich am besten unterdrücken, wenn Not und Entbehrung gemildert werden. Eine Gegenwart, in der der Reiche und der Arme froh sein müsien, wenn sie sich nur sättigen können, in der man inach notwendigen Kleidungsstücken jagen muß, wie der Höhlenbewohner einem Wild zur Stillung feines Hungers nachstellt, —■ eine solche Gegenwart ist steiniger Boden, aus dem nur schwer eine zarte Blume wachsen kann. Eine solche Gegenwart, der noch Jahrzehnte von Entbehrungen zugunsten siegreicher Feinde zu folgen drohen, ist zugleich — es klingt paradox, doch das

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