Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Friedenspflichten der Nationen [Rezension]
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 396 (sequence 1)
- Language
- German
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393 Im deutschen Reich BLcherschsrr. FriedeKspfLichLen der Nationen. Mer Preisarbeiten von Felix Halle, Max' S e b e r, Alfred Feilchenfeld und Paula M e s s e r -Platz. (Herausgegebeu von der Moritz-Mannheimer-Stiflung der Groß löge für Deutschland. Gotha, Perthes, 1919.) Nachdem die Preisausgaöe der Großloge 1917 das Thema „Friedens- Pflichten der einzelnen" behandelt hatte, warf sie im letzten Kriegsjahr, 1918, die gewichtige Frage auf: „Welche Richtlinien/ werden sich nach dem zu erhoffenden Friedeusschlusse die einzelnen Staaten zu ziehen haben, um an ihrem Teil im internationalen Verkehr die Grundsätze der Gerechtigkeit, Menschenliebe und Duldsamkeit zur Geltung zu bringen?" Dankenswert war auf jeden Fall das Bestreben der Grotzloge, den Friedensgedanken auch in Deutschland schon mitten im Weltkriege zur Erörterung zu stellen. Der Titel, den man der Sammlung der LösuNgsarbeiten gegeben hat, zeigt freilich eine gewisse Abweichung vom Thema; denn wenn nach der Fragestellung die Aufgaben der S Laoten zu untersuchen waren, so ist jetzt die Friedensaröeit der Völker in-den Vordergrund getreten. Nach dem mächtigen Aufschwung, den zu Beginn des Völkerringens der Staatsgedanke zu nehmen schien, hat der hartem Belastungsprobe keines der remischr-nationalen Staatengebilde, weder Oesterreich-Ungarn noch die Türkei oder Rußland, standzuhalten vermocht; die Nationen sind es, die künftig den Friedensgedanken zu verwirklichen haben, nachdem die Staaten, die über den bewaffneten Frieden/nicht hinauszudenken vermochten, sich der schönsten und schwersten Ausgabe,-die der Menschheit von jeher gestellt ist, nicht gewachsen gezeigt haben. Die .Preisgekrönten Arbeiten stehen noch unter dem SLaatsgedanken; sie sind aber, wertvolle Beiträge zur Vevwirklichung der Idee vorn ewigen Frieden. Die eindringende Arbeit von Halle untersucht Probleme des Völker- und des internationalen Privatrechts, besonders die Bündnisse, internationale Schiedsgerichte, internationale Verwaltungsgemeinschasten, Rechtshilfe und Fremdenrechr; reiche Literaturangaben zeigen den Stand der Forschung auf diesen Gebieten. Aber der Verfasser spricht volkstümlich und überzeugend, wenn er Sätze prägt wie: „Der Kampf ist nur ein Vorläufer des Rechts", oder: „Der Staat des ewigen Friedens ist das gelobte Land der künftigen. Geschlechter". Er hofft Fortschritte von einer Hebung der internationalen Moral. „Der Moral der inLernaLionalen Privatgeschüfte entsprach die Moral der Staatsgeschüfte". Er beleuchtet die 'Barbarei der Auslieferungsverrräge und des Fremdenrechts und fordert hier gründliche Revision. Nicht nur der Fachmann wird in der fleißigen Arbeit Anregung, auch jeder Gebildete wird Belehrung finden. Die Saat, die hier gestreut wird, kann uns eine recht ersprießliche Ernte sichern, wenn über die deutschen Sprachgrenzen hinaus die beherzigenswerten Gedanken beachtet werden. Wesentlich knapper sind die drei anderen Arbeiten der Sammlung ausgefallen. S e b e r bespricht auf etwa 30 Druckseiten „Die humanitären Prinzipien und die Idee der Staatsgemeinschaft". Er sieht in dem Wunsche einer internationalen Bindung. einen Ausfluß des Volksgefühls/ daß der Krieg an sich aller Menschlichkeit hohnspricht. Er befürwortet einen Ausbau der zwischenstaatlichen Verträge zu einem SLaaten-SyndrkaL und wünscht, daß dieses vom Geiste der Duldsamkeit erfüllt wird. Mit einem schönen Bilde sieht er in dem „Kulturfrieden" den gewachsenen Fels, der dazu gehört, den Pfeilern die Sicherheit zu gewähren, auf denen der Brückenschlag zwischen den Völkern einst vollendet werden soll. Wie schnell ändert sich die Weltauffafsung! In der F e il che n f e l ösche n Abhandlung wird das Verhalten Wilsons, der zwischen Volk und