Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Angabe der Religion in Abgangszeugnissen
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 395 (sequence 1)
- Language
- German
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Vermischtes 395 Angabe der Religion in WgmrgszeugmsiLM Uns wird Die Schulverwaltung hatte -ulnter der alten Regierung den Brauch, die Abgangszeugnisse mit der Angabe der NcUaion zu versehen. Es braucht nicht näher aus geführt zu werden, welche Folgen dieser Brauch für die schulentlassenen jüdischen Jünglinge hatte; die Zahl der Begabten unter unserm Nachwuchs^. die eine Unterdrückung ihrer Karriere dieser Notiz verdanken, ist gewiß nicht gering. Unter diesen Umständen verdient folgende Mitteilung weitere Verbreitung: Ms mein vom Heere entlassener Sohn aus Gru.nh> ministeriielle'r Verfügung jteiat gymnasiales Reifezeugnis erhielt und auf diesem sich wiederum die erwähnte Notiz befand, habe ich mich beschwewdeführend an das Provinzial- Schu lkollegin rrt gewandt und um die Foirtlaffung dieser Formel geboten. Es ist hierauf dem Ersuchen staLtgeg^ben und ein neues Zeugnis ohne diese Formel «mi>r ausgehänditzt worden» Diejse Tatsache sei Zur Nachachtung allen Interessenten nah^egelegt. Dem NMonaWunh Letutscher Frauen (FloLtenbund) sind auch Jüdinnen beigetreten. In der „Zeitschrift des Nationalbundes" (Heft Nr. 4) findet sich ein kleiner Artikel: ..Der Kaiser über seine Abdankung", der mit folgenden antisemitischen Sätzen schließt: „Wie furchtbar müssen die j ü d i s ch - d e m o k r a r i s ch e n und die sozialdemokratischen Reichszertrümmerer dem Kaiser zugesetzt haben, da!ß er acht Tage später den als richtig erkannten und in scharfen Umrissen vor ihm liegenden Weg verließ und nach Holland fuhr! Und das Chaos, das er mit großer Geistesschärfe vorausgesehen, es brach mit vernichtender Wucht herein über das betörte deutsche Volk, das allem Unglück auch noch die tiefste Schmach hinzufügte: Die Lossagung von seinem Kaiser!" — Die Nummer wurde uns von einem unserer Mitglieder eingeschickt mit der Bemerkung, daß seine Tochter daraufhin aus dem Nationalbund deutscher Frauen sofort ausgetreten sei. Die ungarische Räte-Regrerung ist den vereinten Anstrengungen der Entente endlich erlegen, ein wüster Sgu'k ist zerronnen, und damit entfällt den Antisemiten eines ihrer häufig angewandten Hetzmittel, daß Ungarn unter der Führung jüdischer Bluthunde zerrissen und ins Chaos gestürzt worden sei. Die „Deutsche Tages- Ztg." überschreibt ihren Artikel über den Sturz des revolutionären Kabinetts Bela Khun mit den Worten „Die Löschung der Firma Cohn in 11 ng co-r n". Wie der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zufolge ssstgestellt wurde, ist Bela Khun der Sohn eines Dorfnotars in Siebenbürgen; das Judentum ist ihm angedichtet worden, wie ja jeder Arier, der den Alldeutschen irgendwie unbequem ist, entweder zum Alljuden gestempelt wird, oder, falls er einen Namen hat, der auch nur leise an einen jüdischen anklingt, zum regelrechten Juden avanciert. Das gleiche gilt für den Volksbeauftragten Szamuely, der sich inzwischen entleibt hat. Tibor Szamuely hat an klerikalen Zeitschriften und antisemitischen Flugblättern mitgearbeitet, es ist also anzunehmen, daß er kein Jude ist. Sollte er aber Jude von Geburt sein — wir sind hierüber nicht unterrichtet — jo würde er durch seine Mitarbeiterschaft an jenen Zeitungen bewiesen haben, daß er in seiner Anschauungsweise und seinen Empfindungen auf der jüdengegnerischen Seite steht, seine Taten also dem Wesen des Antisemitismus nahe stehen. Beachtet die Anzeige: n Gabriel Rießer” Verlag!