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Im deutschen Reich · 1919-09-01 · Heft 9 (September 1919) · p. 385

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 9 (September 1919)
Article
Jugend und Abwehrkampf
Date
1919-09-01
Page
385 (sequence 4)
Language
German
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Hebet die Berufsberatung der Juden 885 Me ältere Jugend wird auch die belebten 'Gasthäuser und Ansammlungsplätze ständig zu kontrollieren haben; und sie hat bei richtiger Schulung hier gute Gelegenhei.t, sich in Debatten einzulassen. Es ist seit der Resolution eine bekannte Technik aller agitierenden Parteien geworden, überall kleinere Ansammlungen und in ihnen Debatten chervorzurufen. Meist sind es zwei /solcher Agitatoren, die sich nur scheinbar bekämpfen, in Wirklichkeit Rede und Gegenrede zu besonders wirksamer Agitation benutzen. .Sobald sich nun in einer solchen Ansammlung ein wirklich geschulter Angreifer zeigt, läßt sich fast stets die Beobachtung mpchen, daß die Stimmung der Zuhörer umschlägt, und die Agitatoren bald von selbst das Feld räumen, denn sie wollen selbstverständlich keine wirkliche Diskussion, sondern unbeeinflußt auf die kenntnislose Masse wirken. Wenn wir in den Jugendorganisationen unermüdlich an einer geistigen Ausrüstung unserer jungen Juden und Jüdinnen arbeiten — durch Redner und geeignetes Buch- und Broschürenmaterial — werden wir auch in dieser Beziehung uns eine geistige SelbsLwehr von großem. Wert heranziehen' können. Vor allem muß, um nur eins besonders hervorzuheben, in allen Jugendorganiiationen durch geeignete Redner (Referendare, Anwälte usw.) die Jugend in Staatsbürgerkunde unterwiesen werden, müssen ihr die neue Reichsverfassung, die Wahlgesetze und andere wichtige öffentliche Rechtsguellen eingehend' vorgepührt werden. — Ich hoffe, daß vprstehende Ausführungen, so wenig erschöpfend sie sind, dazu dienen werden, den Blick unserer Ortsgruppenleiter auf das Gebiet unserer Arbeit zu lenken, das heute überall das. wichtigste sein muß. Ich bin mir bewußt, daß man über manche Einzelheit anderer Meinung sein kann, über den Grundgedanken aber, glaube ich, kann es keine Meinungsverschiedenheit geben, der lautet: S ch l e u n i g st e u n d nachdrücklichste P o> l i L i - stierung und Organi s-ie'vun g .unserer' gesamten jüd ts ch c n Ii! g end mit allen M\ 11 ein. Leber die BerrrfsberaLrl«g der Zrrderr. Bon vr. phil. et med. E r i ch Stern, Hamburg. Der Beruf, der in früheren Zeiten das Zentrum des ganzen Lebens gebildet hatte, den Mittelpunkt, um den sich alles andere gruppierte, ist immer mehr und mehr zu einem bloßen Mittel des Broterwerbs geworden, ohne den es dem Menschen nicht möglich ist, das Leben zu fristen. Es schwand allmählich das geist'ig-seetksche Band, das den Arbeiter mit seiner Arbeit verknüpft. Jede Berufsberatung nun, so will mir scheinen, hat nur dann einen tieferen Sinn und Wert, wenn sie es sich zur Ausgabe stellt, dieses Band zwischen dem Menschen und seinem Beruf und Werk wieder zu knüpfen, damit die Arbeit wieder frei werde von der ihr anhaftenden Erdenschwere undwieder Leben für den Menschen gewinne.'

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