Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Ein Aufruf gegen die Pogrome
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 379 (sequence 2)
- Language
- German
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Wenn wir die antisemitische Kampfeswef.se nachahmten 3?§ Volk" veranlaßt. Der Ausruf, der im deutscher und englischer Sprache erschienen ist, wurde von 300 deutschen Bürgermeistern unterzeichnet. In diesem Aufruf ist auf Seite 9 geflaut, daß dis „einzige große Tat", die das so anmaßend aus tretende Volk Ws neuere geeinigten Polens bisrer auszuweifen hat, dlarausst'sten lzudenpogrome sind, die die Welt in den letzten Jahrzehnten gesehen chat. An vielen Plätzen der Erde ist der An-tiseniitismus wieder mächtig aufgÄodsrtz, Di'elf-ach schwelt er, vorläufig noch un'sichtbar. unter der Oberfläche. Genährt wird er dadurch, daß immer w-Mer Juden als Führer des Bolschewismus -rmd der Anarch-ie aus^elen. Keine menschlich sich-öneve und kulturell bedeutsamere Aktion konnte das internationale Judentum unternehmen, als wenn es sich schnellstens der kleinen Elitetrnppe holländischer Gelehrter anschließt, die im Begriff ist. einen „Bund der Weltbürger" (Bond der Wereldburgers) zu gründen. Der Muwd der Weltbürger" will eine internMonaLe Einheitsfront Herstellen aus allen geistig und sittlich hochstehenden' Menschen der Welt, gleichgültig welche Nationalität, wÄche Konfession und welchen Beruf sie haben. Eine Einheitsfront aus allen Menschen, die eg als ihre Lebensaufgabe betrachten, die Menschheit wieder aus dem Sumpf von Haß und Mißtrauen h e r a u s z u f ü h r e n, in den sie geraten ist. Ich bin überzeugt, daß die geistig und sittlich auf einer sehr hohen Stufe stehende holländische Presse gern bereit sein wird, diesem Gedanken Ausdruck zu verleihen, daß die Bekämpfung der Judenpogrome in Polen eilrte Menschheitsaufgabe ist. Solange diese geistig-sittlichen Seuchenherde im Osten Europas weiter stehen, so lange werden sie immer von neuem die gesamte Kultupwelt infizieren, so lange wird die Welt nicht zur Ruhe kommen!" _ Wen« wir die antisemitische Kampfesweise nachahwterr! Von Steinberg -Steinheim. Gelacht habe ich über die Charakteristik Karls des Großen, die I. Scheret in seinem Aufsatz „Die Schuld der Juden" aus dem Semigotha mitteilt. Wenn es dort von Karl dem Großen heißt, „daß er nach echt orientalischer Sitte gegen alles germanische Herkommen einen ganzen Harem und eine Menge Kinder davon hatte", so zeigt der Semigotha, daß er von dem germanischen Herkommen nicht gerade viel versteht, eine Tatsache, die man übrigens auch bei manchem antisemitischen Wodansverehrer beobachten kann. Es ist selbstverständlich, daß wir nicht vollständig, lückenlos über die Anschauungsweise der alten Germanen unterrichtet sind; die Zeit liegt uns zu fern; die Aufzeichnungen sind zu spärlich. Aber selbst diese genügen, um einigermaßen ein Bild von dem „germanischen Herkommen" zu erlangen. Eine der besten Quellen, wenn nicht die beste überhaupt, die uns von jenen Zeiten berichtet, ist die Edda, jene Sammlung der Götter- und Heldenlieder, die Gemeingut aller germanischen Stämme waren, und die wohl aus indogermanischen Ursprung zurückzuführen sind. Wie alle heidnischen Völker haben auch die Germanen ihren Göttern und Helden Charakterzüge und Eigenschaften angedichtet, die sie als nachahmenswert betrachteten. Bon diesem Gesichtspunkte ausgehend, bietet uns die Edda einige