Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Die Spartakusbewegung im deutschen Bürgertum
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 378 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich einer Bevölkerungsschicht, welche sich rühmt, der eigentliche Träger deutscher Kultur zu sein. Als jene andern Spartakisten mit Gewalt und Handgranaten Unordnung anrichteten, schrien die bürgerlichen von heute, die vom Kursürftendamm, Zet-er und Mordio, die Kultur sei in Gefahr. Und doch — waren sie auch radikaler, so waren sie doch viel weniger gemeingefährlich als ihre bürgerlichen Kampfgenossen. Denn alle ihre Jrrtümer kann man zusammenfassen als den Irrtum der Methode, und jeder Historiker, der di- Geschichte dieses verlorenen Krieges zu schreiben hat, muß der Bewegung von diesem Standpunkt aus gerecht werden. Bei der Spartakusbewe-- gung der bürgerlichen antisemitischen Kreise kann man von Irrtümern nicht reden. Es handelt sich bei ihnen nur um die Bemäntelung rohen, ungerechten Hasses mit Schlagwörtern aus dem politischen Leben. Ueber die traurige, wirtschaftliche Lage geht man auf die Suche nach einem Sündenbock. So war es auch immer in Rußland und Polen, und dort den Machthabern des Zarismus als bewährtes Ablenkungsmittel beliebt. Wir meinten immer, derlei sei nur in den kulturell tiefstehenden Ländern möglich, und hielten uns in Deutschland für „bessere Menschen". Trotzdem ist es klar, daß die antisemitische Bewegung ebenso wie die bolschewistische in Deutschland keinen Fuß fassen kann. Mit jedem neuen Tage des Friedens, der dieses unglückliche Land von dem vierjährigen Schauspiel der Menschheitstragödie weiter entfernt, werden immer mehr die echten Elemente seiner Kultur zu Worte kommen. Diese werden dann aufhören, den Krieg gegen Menschen auf ihren Schild zu heben, ihn nur gelten lassen "als das Durchdringen der AlhEwen Idee, der des Guten, gegen ihr direktes Gegenteil und — dort, wo es sich um die Ueberleitung in die. Welt der Tatsachen handelt — gegen die ihr nicht adäquaten Systeme. Ern Anfrnf gegen die Pogrome. Der Leiter der „Deutschen Gesellschaft für staatsbürgerliche Erziehung", Berlin-Halensee, har an das Antrpogrom-Kvmitee kn Amsterdam eine Zuschrift geschickt, die von antisemitischen Blattern, wie der „Deutschen Tageszeitung", mir erregten Kommentaren begleitet witd. In dem Schreiben heißt es: „Seit Jahren verfolge ich tieferschüttert die grauenhaften Massacres, die immer wieder im Osten Europas gegen Juden veranstaltet werden. Ohne selbst Jude zu sein, haben diese abscheulichen Mordeten mich immer wieder aufs tiefste empört. Immer wieder habe ich mich gefragt., warum das internationale Judentum, das doch kulturell und wirtschaftlich einen so ungeheuren Machtfaktor repräsentiert, sich nicht endlich z u s a m m e n - schließt, das Gewissen der Welt ausrüttelt und durchdie Macht seines Einflusses die Kulturwelt zwingt, diesen schamlosen entsetzlichen 'Greueln ein Ende zu ' bereiten. Als Leiter der „Deutschen Gesellschaft für staatsbürgerliche Erziehung"^ deren Arbeitskomite-e die angesehensten Gelehrten, u. -a. die bedeutendsten Philosophen Deutschlands artgepten, habe ich die Herausgabe des beigeschlossenen u f r n? e s a n das ameri'kanrsche