Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 367 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316896--30243-2356341- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau 3L7 Amschau. Die „Deutsch-Völkischen Blätter" haben ihre Nummer vom 15. August mit der großen schreienden Ueberschrift: „Ein Schleichhandelslager in der Synagoge!" geziert. Die entsprechende Notiz ist tut Verhältnis hierzu klein. Es wird erzählt, daß im Keller der Synagoge in Myslowitz bei einer Haussuchung sür 60600 Mark Garn, das von Schmugglern dort aufgestapelt worden, gesunden worden sei. Dieses Ereignis preßt der edlen Antisemitenseele den erschütternden Stoßseufzer aus, den wir bei Deutschlands Sturz von der Höhe in diesen Blättern vermißt haben: „Es wird wahrlich immer schöner im Preußen- Deutschland." Dann wird gesagt: „Was uns Christen ein Begriff ist, der stets und von jedermann in Ehren gehalten wird und dem auch der antikirchlich Gesinnte seine Achtung und Unantastbarkeit nicht versagt, das ist dem Juden — Geschäft!" Es ist uns neu, daß die Antisemiten jüdischen Gotteshäusern Achtung und Ehre entgegenbringen. Auch wissen wir nicht, auf Grund welcher Logik aus dem Umstande, daß im Keller einer Synagoge von Schmugglern Waren versteckt wurden, zu folgern ist, daß den Juden der Begriff Gotteshaus ein Geschäft ist. Doch die „Deutsch-Völkischen Blätter" begnügen sich nicht mit solchem dummdreisten Angriff auf die Juden, selbst Gott versuchen sie an dem gefundenen Garn hinunterzuziehen. Das antisemitische Blatt schreibt: Gott Jahwe wird schmunzelnd hcrabäugeln: „reckst so, Ihr lieben Kinderchen! nur feste weiter geschoben, gewuchert, betrogen, auf drst der Tag komme, wo Ihr den ungläubigen, verfl.. dummen Gesims auch das letzte Hemd ausgezogen haben werdet!" -- Die Tendenz der gotteslästerndeu Notiz wird dann noch in dankenswerter Offenheit verraten; die Notiz spitzt sich nämlich zu der Aufforderung zu, auch in anderen Synagogen Haussuchung vorzunehmen. Die Judenverfolgung soll sich danach auch zur Synagogenverfolgung auswachsen. „Unerhörter Mißbrauch der Kinos" rufen die Deutsch- Völkischen Blätter eline Woche später in Woher drei« ßMÄger FÄtWerschrist -anKagenb aus. Die Unterüberschrift luncht: Das Kino als KaMpftni-ttel des Judentums. Das Äntisemitenhlatt stützt sich nicht etwa auf Tatsachen, sondern auf einen Vloyschlag, den ein Lehrer ini „Israelitischen Familienblatt" gemacht hat. Der schlägt vor, konfessionelle Aufklärungsstücke den Kinos unentgeltlich zu überlassen und in diesem Sinne auch die Theater nutzbar zu machen, damit die Schüler wöchentlich durch entsprechende Aufführungen darüber aufgeklärt werden, daß das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie