Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. 346

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Article
Eugen Fuchs [Rezension]
Date
1919-07-01
Page
346 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316888-2316895-2356065--30203-2356188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

m Im deutscher? Reich weht, wird am bester: durch die Worte des Verfassers chsrakteristert: „And wenn man mich fragt, wie ich nur die Zukunft denke, so kann ich nur sagen, daß ich ein unverbesserlicher Optimist Lin, und daß ich der Zukunft vollen Vertrauens entgegensetze. Wenn wir treu, selbstbewußt und einig sein werden, so ist mir um die Zukunft nicht bange." Diese schönen Worte, die zu Anfang des lausenden Jahres niedergeschrieben worden sind, mögen in der gegenwärtigen Lage ebenso vom Judentum wie vom Deutschtum beherzigt werden. — Ein ausführliches Sachregister informiert den Leser vortrefflich über den Inhalt des Buches, das geradezu als sin Nachschlagewerk über alle schwebenden Fragen des Judentums betrachtet werden darf. 5—!. „Das Judenproblem und scme Lösung." Mn Wort zur Klärung: van I u d a e 0 - B a v a r u s. Reaensburg 1919. Verlag der „Laubhütte". Der Verfasser will h'k In den frage vom Standpunkt der reinen Glaubensgemeinschaft Qufgcsatzt wissen. Deutschtum und Judentum sind ihm koordinierte Begriffe. Ich teile diesen Standpunkt nicht. Die großen jüdischen Probleme lassen sich, von diesem Gesichtspunkt aus keinesfalls lösen. Immerhin:^ Das Merkchen, ein besonders tüchtiges und selbständiges, unterscheidet sich durch ein? streng gläubige und "vorzüglich logische Art von vielen seinesgleichen. Der Verfasser setzt sich in 12 Kapiteln mit dem Begriff der Nationalität^ auseinander. Eine besonders scharfe Philippika führt er. gegen den geistreichen, jedoch etwas verklärten Logiker Jsaac Breuer. Dabei will Judaes Bavarus insbesondere Nachweisen, daß die m Breuers Schrift „JuLenprobleme" aufgestellten Lehrsätze zum.größten Teil unrirMy und übertrieben sind; jedenfalls aber könnten diese keinen Anspruch daraus machen, als Lehren des überlieferten Judentums zu gelten. Ganz besonders greift der Verfasser auf den Großvater Breuers, den Denker Samson Rafael Hirsch, zurück und beweist mit Hilfe von dessen Schriften, daß es ein Unding ist, das jüdische Gesetz bzw. die jüdische Lehre als um deswillen verbindlich hinzustellen, weil es die Verkörperung des nationalen Willens .sei. An Hand treffender Beispiele und der daraus hergeleiteten Konsequenzen weist Verfasser nach, daß .die Verpstichtungsqueüe des jüdischen Gesetzes im unmittelbaren göttlichen Willen als solcheW zu suchen ist. Er wendet sich hierbei gegen ähnliche Versuchen welche von anderer orthodoxer Seite gemacht worden sind, die geeignet sind, zu einer völligen Begriffsverwirrung über das Wesen und die Bedeutung der jüdischen Religion' innerhalb und außerhalb des Judentums zu führen. Judaeo Bavarus meint, daß der Grund für di-efe Bestrebung m der Beein» flusiung der Orthodoxie durch die zionistische Bewegung zu suchen sei. Er sieht in diesen. Bemühungen, das Judentum als „Nation" zu deuten, eine Anpassung an den Geist der heutigen Zeit, in der so viel von den Rechten der kleinen Nationen, gesprochen wird. Die politischen Fragen 'dürften ebensowenig wie die religiösen an dem MaUrabe der heutigen Zeit gemessen werden. .' Das Palästina-Proölem ist dem Verfasser ein ausschließlich religiöses Problem, welches jeder nationalen Lösung entbehren könne. Diese Nationalisierung führe zu einer Spaltung in dem gesetzestreuen Lager Deutschlands: Es entständen hierdurch zwei Richtungen im jüdischen Latzer, die Deutsch-Nationalen und die Jüdisch-Nationalen. Nach Breuers Theorien würde die deutsche Judenheit zum nationalen Fremdkörper innerhalb des Deutschen Reiches gestempelt. Dies widerspräche sowohl der staatlichen Stellung der deutschen Juden als auch ihrer politischen Ueberzeugung. Auch die große Mehrheit der deutschen Christen .stände dieser Lösung fremd gegenüber. Letztere erblickten in den deutschen Juden nur Andersgläubige. Breuers - Theorien führten zu der Konsequenz, jeden thoratreuen Juden Zu einem undeutsch empfindenden jüdischen Deutschen zu machen. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.