Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Article
- Antisemitismus bei Anstellungen
- Date
- 1919-07-01
- Page
- 344 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316895-2356061--30193-2356186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
344 Fm deutschen Reich hoch sind. Noch bevor er aus diese Fragen antworten fmtf, wird ihm bedeutet: Wenn du Jude Lift, so kommst du, magst du auch der tüchtigste, in Ansprüchen bescheidenste und mit den besten Empfehlungen ausgeftattete Herr sein, nicht in Betracht. — Wenn in den kommenden Friedensjahren Deutsche im Ausland als unangenehme, als zurückZuweisende Arbeitskräfte behandelt werden, so werden die echten Deutschen lärmen und über Unverschämtheit und Ungerechtigkeit klagen — auch bann, wenn jene Deutschen nicht im Auslände geboren, nicht die dortige Staatsangehörigkeit besitzen, nicht die Kultur jenes Landes schon von ihren Vätern her in sich ausgenommen haben. Auch der Apotheker Paul Jochmann, Forckenöeckapotheke in Berlin O, Mirbachstraße 12, stellt keine Juden an. „Das JudÄuLLrch des Meisters Hosmmm", das vor mehr als 200 Jahren erschienen ist, wird jetzt iw Memoirenverlag RobertLutz in Stuttgart von Heinrich Conrad neu herausg'egeben Wörden. Welcher Art dieses Buch ist davon zeugt der Verleger selbst. Er erzählt kn seinem, eine ganze Seite des „Börsenblattes für den deutschen Buchhandel" (2. Jüli) füllenden Inserat, daß Abschnitt 2 des Buches von der „JudenfeindsHaft ge Kn die Christen handelt, worin der Konsistorialprediger KoZmann die HaupLschaNd.daten der Juden aus 17 Jahrhunderten quellenmäßig erzählt, für jedes Jahrhundert eiNe reiche Auslese von Kindermorden, Vergiftungen, Münzverör echen, Kirchen freveln^, Verrat im'b1 Untreue". Abschnitt 3 handelt vom „Faischsck'woren, Wuchern und Betrügen der Juden". Der Verlag betont, daß die Neu Herausgabe dieser VücherrariM mit der gegenwärtigen Pogrom st im mung keinerlei ursächlichen Zusammenhang habe. Daß sie aber diesen Zusammenhang erhalten kann, wenn dieses Buch ,welche Verbreitung erfährt, steht außer Zweifel. Wir werden die An- Gelegenheit weiter im Auge behalten und bitten unsere Leser um das gleiche. Die „DsrMhe SchuLllÄerÄmen^itnuZ", herarrsgegeben vom Reichsverband deutscher Schneiderinnen, enthält in ihrer Mainuimmer d. I. unter den „VerkäussbediNgungen für Verbände" der Reichstextil-Aktiengesells-chrft folgenden Passus: „Daß ungeheure Vorräte 'da sind, ist die Meinung aller Orientierten. Wir wünschen nur eins und haben nur eine Sorge, daß der sozialdemokratisch organisierte Arbeiterstand, verhetzt und fit 11ich kor r uw p i e r t w r e er ist durch russisch-jüdische B o l s ch e w i st -e n r sich nicht auch noch auf diese Güter stürzt, die eine weita.usschau.ende SLaaLsregierung gesammelt und gehütet hat." Der Centralverin hat an die von Maria Lischnewskü geleitete „Schneid eri'nnenzeitung" ein Schreiben gerichtet, in dem er sie darauf aufmerksam wachte, daß die Behauptung, die sozialdemokratisch organisierte Arbeiterschaft sei verhetzt und sittlich Korrumpiert lediglich durch russischjüdische Bolschewisten, nicht den Tatsachen Entspreche, und daß, wenn einige Juden sich in den linksstehenden Parteien eine Führerstellung erworben haben, sie dies nicht kraft ihres Judentums, sondern durch ihre Tüchtigkeit und das Vertrauen der Arbeiter zu ihnen erworben haben. Durch solche Bemerkungen werde der Spalt zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung nur noch verbreitert. — Trotz widderholchr Mahnung hat die Redaktion der ,,Schneideriimei:zeiinng" nicht geanr-