Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- Gemütsmenschen
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 285 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316894--30055-2355975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vermischtes 286 bis drei Monate aufzunehnren, daß sich aber keiner der gegen die jüdische Regierung protestierenden Erwachsenen im Orte dazu bereit gefunden hat! Sie hätten begründeten Anlaß, gegen sich selbst zu protestieren. Der Antisemitismus des Bundes der Landwirte zckgt sich auch in der Veröffentlichung sagender Pamphletverse: Die Monarchen von toorp* Hmter allem, was sich tut, Heutzutage steckt ein Jud', Und i'n jedes Amtes Mitten Hocken heute Israeliten. Unsere Meinung höchst prosaisch Machen Leute, die mosaisch; Statt der Freiheit immer naher Kommt die Herrschaft der Hebräer. Das steht ni'cht etwa in irgendeinem Wnkelölätt'chen, sondern im Amtlüchen Blatte der Pxovinzialabteilun'g des Bundes der Landwirrte für Ostpreußen Nr. 5. Irr -er GempiMeraLssitzung m Eisenach wurde auf Vorschlag des Herrn Or. Sommerfeld einhellig Pros. vr. Kühner zum Vorsitzenden wiedergewählt. Ebenso wurde einhellig Herr Lippold zum ersten Stellvertreter gewählt. Entgegen der ursprünglichen Vereinbarung haben jedoch die Demokraten sich veranlaßt gesehen, den' zweiten Stellvertreter, Rechtsanwalt W e d e m a n n , der von den Mitgliedern der Deutsch-nationalen und Deutschen Volkspartei präsentiert worden war, von der Liste abzusetzen, wer! er bei einer Beratung antisemitische Ansichten geäußert und sich auch in diesem Sinne betätigt habe. Nach lebhafter Diskussion, in der Dr, Sommerfeld für die Demokraten sprach, unterlag bei der Abstimmung Herr Wedemann mit 8 gegenüber 24 Stimmen, die auf Herrn Mike fielen. Wie die Wahrheit gefälscht wird. Der „Deutsche Schutz- und Trutzbund", eine unter rasselndem Namen gegründete Organisation zur Bekämpfung des Judentums, verbreitet die Mitteilung. daß die deutsche Mädchenschule in Saarlouis es abgelehnt habe, beim Einzug des französischen Generalfeldmarschalls Foch eine Begrüßungsansprache herzusagen; nur die -j ü d i s ch e Mädchenschule habe sich hierzu bereit gefunden. Selbstverständlich ist diese Nachricht von antisemitischen und rechtsstehenden Blättern mit Freude nachgedruckt worden. Da es in Saarlouis keine judischeMädchenschule gibt, ist der antisemitische Schwindel offenbar im Vertrauen daraus in die Welt gesetzt worden, daß sich die jüdische Mädchenschule gegen die Lüge nicht zur Wehr setzen kann, da sie ja gar nicht existiert. — Aber wir wollen den Deutschen Schutz- und Trutzbund auf ein Gegenstück aufmerksam machen. Der Oberrabbiner vr. Emil LevyinStraßburghctt sich, wie wir schon iü unserem Aprilheft mitgeterlt haben, geweigert, von der Kanzel herab die Franzosen als Befreier zu begrüßen. Er hat sich auch an den Empfangsfeierlichkeiten für den französischen Sieger nicht beteiligt, so daß er zur Strafe von dem französischen Befehlshaber genötigt wurde, sein Amt zu verlassen. Dieser jüdische Seelsorger ist in Straßburg der einzige Geistliche, der es abgelehnt hat, den Franzosen zu huldigen. Wir würden den Deutschen Schutz- und Trutzbund bitten, auch diese Nachricht zu verbreiten, wenn wir nicht annehmen müßten, .daß sein Widerwille gegen Mitteilungen, die auf Wahrheit beruhen, so groß ist wie seine Liebe zu unwahren Hetzmeldungen.