Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- Die Ortsgruppe Berlin W
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 278 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Im -deutschen Reich Die Ortsgruppe Win W hielt am 6. Mai eine außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung afc. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Kurt Alexander, in der er aus die durch die Revolution geschaffene innerpolitische Lage und die sich daraus für den Centralverein ergebenden Konsequenzen Üinwies, hielt Prof. Dr. Carl L e w i n einen Vortrag über: „Sozialismus, Liberalismus und I u d e n t u m". Er zeigte in tiefgründigen Ausführungen, wie das Judentum, das in seinem innersten Kern konservativ sei, infolge der absoluten Verständnislosigkeit, die es bei den rechtsstehenden Parteien erfahren, gewissermaßen gezwungen Anschluß bei den linksgerichteten Parteien gesucht und gefunden habe. Er wies unter Beibringung reichen Materials darauf hin, daß der Sozialismus in sich durchaus staatserhaltende und -fördernde Kräfte berge und nur in Deutschland als Weltanschauung des Umsturzes verschrien sei, weil er sich gegen die früher herrschende konservative Staatsauffassung gewandt habe. Es sei eine antisemitische Lüge, die eigentlich, schon an ihrer eigenen Unlogik zugrunde gehen müsse, die Juden einmal als die Vertreter des Kapitalismus zu brandmarken und sie im selben Atemzuge für den Bolschewismus, den geschworenen Feind des Kapitalismus, verantwortlich zu machen. An der außerordentlich lebhaften Aussprache beteiligten sich Dr. Wohlberg, Prof. Dr. Coehne, Dr. Wiener. Die Versammlung nahm teilweise einen geradezu stürmischen Verlauf, da eine Anzahl waschechter Antisemiten,, angelockt durch das Thema, vielleicht aber auch auf Verabredung durch die Mederholung ihres sattsam bekannten Repertoirs die Geduld der Erschienenen auf eine harte Probe stellten. Es gelang jedoch der energischen Leitung des Vorsitzenden, die Versammlung, in der die Huldigung des christlichen Lehrers P e t e r s s o n auf die Wahrheiten und Schönheiten des Judentums einen Höhepunkt darstellte, zu einem harmonischen Ende zu führen? Mit einem begeistert aufgenommenen Bekenntnis des Vorsitzenden zum deutschen Vaterland, das wir liebten, als es groß und mächtig war, und das wir noch mehr lieben, da es arm und elend ist. schloß die eindrucksvolle Veranstaltung, welche dem Centralverein auch eine Anzahl neuer Mitglieder zugeführt hat. Die Ortsgruppe Mlmersdors—FriLdemn:—Steglitz veranstaltete am 8. .Mai im Friedenauer Realgymnasium eine öffentliche Versammlung, in .der Syndikus Albert Willner'über „Unsere Aufgaben" sprach. In fesselnder Form entwickelte der Redner, unter Berücksichtigung der traurigen Lage unseres Vaterlandes, die Ziele des Centralvereins, die neben den berechtigten Interessen der deutschen Juden auch dem Wohle und der freien Entwicklung des neuen Deutschlands dienen sollen. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen. Als praktischer Erfolg ergab sich der Beitritt von 16 neuen Mitgliedern, der um so erfreulicher war, als nach dem Vorträge die Gründung einer von der Stammgruppe abgezweigten neuen Ortsgruppe F ri e d en a u —S te g! i tz erfolgte, die'nun bereits 120 Mitglieder zählt. Nach einer kurzen Diskussion sprach der Vorsitzende der Ortsgruppe Wilmersdorf, Hermann Friedländ er, der die Versammlung leitete, der neuen Ortsgruppe Friedenau—Steglitz herzliche Wünsche für ihr Gedeihen aus. In Prenzlrm wies in einer Mitgliederversammlung der Vorsitzende unserer Ortsgruppe, Rechtsanwalt U n g e r, in der Begrüßungsansprache auf die Bestrebungen der Zionisten hin, die eine Gefahr für die deutschen Juden in sich schließen. Rabbiner Dr. B ä h r - Prenzlau hielt dann einen fesselnden Vortrag über das Thema „Judentum und Politik". Beide Redner fanden lebhaften Beifall. Zum Ehrenbürger der Stadt Fastrmo iin Westpreußen ist KommissionKrat Eugen Simon ernannt worden, Mitglied des Centrabvereins und