Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- Vorträge Fuchs in Mannheim und Karlsruhe
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 277 (sequence 2)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten 277 In Karlsruhe sprach, ebenfalls in einer überfüllten, vom Vorsitzenden der dortigen Ortsgruppe, Dr. Marx geleiteten Versammlung Geh. Rat Fuchs über das Thema: Der jüdische Kongreß. Er führte u. a. aus: Die jüdische Kongreßfrage sei auch für die Juden Deutschlands dringend geworden. Die Kongreßfrage berühre unmittelbar unsere Stellung zum Zionismus. Der Centralverein bekämpfe den Zionismus und den Antisemitismus. Der Kampf gegen den Antisemitismus werde leider mit ganzer Kraft wieder auszunshmen fein. Es sei nicht zu bestreiten, daß der aus dem Weltkrieg hervorgegangene Weltfriedenskongreß den Gedanken eines Judenkongresses in gewissen Kreisen hervorgerufen habe, die nunmehr meinten, eine jüdische Friedensdelegation müsse Palästina für die Juden verlangen, und ein jüdischer Kongreß müsse darüber entscheiden, ob und inwieweit dieses Verlangen zu stellen sei. Redner ist der Ansicht, daß für jene Juden, die nach Palästina etwa auswandern wollen — es werde in Deutschland sicher nur eine verschwindend geringe Anzahl sein, bei denen ganz besondere Verhältnisse Vorliegen müßten — sich dort ein Gemeinwesen nach Art einer Siedelung auch erlangen lasse, ohne daß die Juden deshalb ein politisches Volk zu werden brauchen, das sie in den westlichen Ländern nun einmal nicht seien und nicht sein wollen. Insbesondere wir deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sind kein jüdisches Volk und wollen keines sein. Wir sind eine Religionsgemeinschaft, deren Angehörige auch ewige Rasseneigentümlichkeiten sich bewahrt haben, genau so, wie der Bayer sich gewisse Eigentümlichkeiten im Vergleich mit dem preußisch-pommerschen Landsmann bewahrt und wie noch viele SLammeseigenschaften innerhalb der deutschen Gesamtbevölkerung unterschieden werden könnten. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens haben ihre Väter, Großväter und Urgroßväter in deutscher Erde begraben, sie sprechen deutsch, haben sich an deutscher Literatur und Kunst vollgesogen, Goethe und Schiller, Kant und Hegel stehen ihnen näher als die jüdischen Dichter, die sie nicht kennen, und die auch der weitaus größte Teil der Zionisten im Urtext nicht verstehen könne. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens haben in den Schlachten ihrer deutschen Mitbürger mitgefochten, ihre Söhne, Brüder und Väter-mit ihren deutschen Mitbürgern christlichen Glaubens fallen sehen; sie empfinden die deutsche Not mit, wollen sie mittragen und am Aufbau withelfen. Die Zionisten dagegen wollen wie ein eigenes Voll austreten. Dagegen wenden wir uns, die Zionisten haben völkische, chauvinistische, imperialistische Bestrebungen, die wir ablehnen. Der Zionismus wird von uns nicht etwa abgelehnt aus Furcht vor dem Antisemitismus, sondern um des wirklichen Judentums willen, wie es in Deutschland als Religionsgemeinschaft besteht und anerkannt ist. Für den vorzubereitenden jüdischen Kongreß habe sich der Centralverein mit der Leitung der Zionisten in Berlin nach genauer Feststellung und Festhaltung der trennenden Grundidee zu einerArbeitsgemeins chaft erfreulicherweise vereinigen können. Diese Arbeitsgemeinschaft habe dem Referenten für jüdische Angelegenheiten im Auswärtigen Amte in Berlin sechs Punkte als Program mpunkte für den jüdischen Kongreß vorbereitend nntgeteilt. Der Redner erläuterte die Punkte des gemeinsamen Programms und schloß mit dem Hinweis, es gelte die jüdischen und die deutschen Interessen miteinander zu vereinigen. Das sei die große gemeinsame Sache aller Juden in Deutschland. (Lebhafter Beifall.) Syndikus Dr. Holländer-Berlin sprach dann unter starker Zustimmung über das Thema: „Schicksalstage des deutschen Judentums". An die beiden Vorträge schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich auch Zionisten beteiligten.