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Im deutschen Reich · 1919-06-01 · Heft 6 (Juni 1919) · p. 276

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 6 (Juni 1919)
Article
Prof. Dr. Ferdinand Blumenthal [Nachricht]
Date
1919-06-01
Page
276 (sequence 1)
Language
German
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276 Im -deutschen Reich Prof. Br. FerömMZ BlmnenthM, Mtglied unseres ZcmpkvorstcmLes^ würde zum Geheimen Meld-izinalru't ernannt. Herr Bernhard CasparmZ in Berlin-Dahlem hat kürzlich das Fest seiner silbernen Hochzeit gefeiert. Der Hauptvorstand des Centralvereins hat ihm aus diesem Anlaß die herzlichsten Glückwünsche übermittelt. Herr Casparius hat für die Bestrebungen des Centralvereins 500 Mark gestiftet. Professor Hermann Oppenheim, der Meister auf dem Gebiete der Nervenheilkunde, ist im Mai in Berlin gestorben. Bittere Erfahrungen sind ihm, dem unermüdlichen Gelehrten von Weltruf, nicht erspart geblieben. Denn — er war Jude. „Das offizielle Deutschland, mir Dutzenden von Mittelmäßigkeiten auf hohen und höchsten akademischen Kanzeln, verweigerte 'diesem Meister die bescheidensten Ausmaße lehramklichen Wirkens," schreibt Pros. Hellpach in der „Voss. Ztg." Das alte Regime vermochte es nicht über sich zu gewinnen, dem Manne von Weltruf eine ordentliche Professur zu übertragen. „Die nationale Katastrophe hatte für den großen Nervenarzt iln der Königin-Augusta-Stratze eine Art Genugtuung bedeuten können, da sie eben die Mächte im Bankerott zeigte, die auch sein Leben geknickt hatten wie das Leben so vieler! Besten und innerlich Reichsten in Deutschland — 'wenn er als ein guter, obgleich niemals lauter Patriot .das alles nicht viel zu. schmerzhaft miterlebt hatte." — Der Verstorbene war ein treues Mitglied unseres Vereins und setzte noch in letzter Zeit seine Unterschrift unter einen Appell an dis jüdischen Aerzte, insgesamt dem Centralverein beizutreten. Vorträge Fmchs irr Mannheim rrrrd Karlsnrhe. Aus Mannheim wird uns geschrieben: Kurz vor dem Kriege sollte auch in Mannheim, rvo unter der Führung mehrerer Vertrauensmänner schon eine stattliche Zahl Mitglieder des Centralvereins vorhanden war, eine Ortsgruppe gegründet werden. Der Ausbruch des Weltkrieges unterbrach die begonnene Arbeit, und da die Herren, die sich um das Zustandekommen der Ortsgruppe bemüht hatten, fast alle im Felde waren, konnten erst nach Kriegsende die Vorarbeiten wieder ausgenommen werden. In einer von den Vertrauensmännern zusammenberufenen Konferenz führender jüdischer Persönlichkeiten Mannheims wurde die Gründung einer Ortsgruppe grundsätzlich gebilligt und ein vorläufiger Ausschuß mit der Ausführung betraut. Auf dessen Anregung hatten sich die unermüdliche Führer des Centralvereins, Herr Geheimrat Br. Fuchs und Syndikus Br. Holländer in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, in einer Werbeversammlung des Vereins Wege und Ziele des Centralvereins darzulegen. Die Versammlung fand am 7. Mai statt und hatte sich, wie nicht anders zu erwarten war, eines außerordentlich zahlreichen Besuches zu erfreuen. Syndikus Br. Holländer gab in packenden Worten ein Bild von dem bisherigen Wirken des Centralvereins, von den Aufgaben, die seiner harren, und legte im einzelnen dar, wie notwendig die Schaffung von Ortsgruppen für ein gedeihliches Wirken des Centralvereins sei. Herr Geheimrat Br. Fuchs sprach dann in geistreichen, von tiefgründigem Wissen erfüllten Ausführungen über all die Fragen, die die deutsche Judenheit zurzeit bewegen; er schilderte die Stellung des Centralvereins zur Kongreßfrage, zum Zionismus und Nationalismus. Rauschender Beifall wurde ihm zuteil. — An die Vorträge schloß sich eine Debatte, an der sich ein Vertreter der neutralen Jugendbewegung und ein hiesiger zionistischer Führer beteiligte. Dem vorzüglichen Verlaufe der Versammlung sowie der Werbearbeit des vorläufigen Ausschusses ist es zu danken, daß annähernd 600 Mitglieder für den Centralverein in Mannheim bereits gewonnen wurden.

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