Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- 50jähriges Jubiläum des deutsch-israelitischen Gemeindebundes
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 274 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316894-2355834--29973-2355964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
274 Im deutschen Reich Aufgabe des Bundes. Er unterhält in zweihundert kleinen Gemeinden einen durch seminaristische Lehrer erteilten, sorgfältig inspizierten Religionsunterricht. Alters-undHinterbliebenenvers o r g u n g der jüdischen Gemein de beamten wird durch die Friedrich-Wilhelm-Viktoria-Stiftung ausgeübt. Die Summe, die der jüdischen Beamtenschaft aus dieser gesunden Verbindung sozialer Einsicht und humanitärer Gesinnung zufließt, beläuft sich bislang auf 1 % Million Mark. Andere kleine Stiftungen dienen der Unterstützung der Beamten in Fällen vorübergehender Notlage oder ihrer beruflichen Aus- und Weiterbildung. Der Gemeindebund hat noch eine Reihe humanitärer Anstalten begründet. Er besitzt eine Fürsorgeerziehungsanstalt für jüdische Knaben in Repzin bei Schivelbein und eine entsprechende Anstalt für Mädchen in Köpenick. Diesen Anstalten werden durch die mit der Durchführung der Fürsorgeerziehung betrauten Behörden aus ganz Deutschland die verwahrlosten Minderjährigen überwiesen. Ein gemeinschaftliches Segenswerk des Gemeindebundes und der Grotzloge ist die bekannte Erziehungsanstalt für geistig zurückgeblieben« Kinder, „Wilhelm-Auguste-Viktoria-Stiftung", in Beelitz. Auf dem Gebiete der Gefangen ensürsorge wurde eine Konzentration der jüdischen Strafgefangenen auf eine kleine Anzahl von Strafanstalten erreicht und damit eine staatlich bezahlte Seelsorge ermöglicht. Erhebliches hat der Bund auf dem Gebiete der W a n d e r - arm ensürsorge geleistet. Die von ihm begründete und durch einen ihm nahestehenden Verein verwaltete „Jüdische Arche i terko lon ie" in Weißensee hat bis jetzt nicht weniger als 8000 Wanderbettler ausgenommen und zu geordnetem Leben und geregelter Beschäftigung geführt. Noch bedeutungsvoller und umfassender ist die Ausgabe der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge", der nach dem Kriege besonders große soziale Aufgaben zufallen. Beachtenswert sind auch die Leistungen des Bundes hinsichtlich der Ueberleitung der jüdischen Jugend zum Handwerk und zu den technischen Gewerben. Er hat bereits über 400 Handwerkslehrlinge und gegen 100 Studierende technischer Berufe ausgebildet. Dies die praktische sog. Kleinarbeit. Ferner werden die großen Fragen der jüdischen Gesamtheit in den Versammlungen, die der Gemeindebund von Zeit zu Zeit abhält, auf Gemeindetagen, den Verbandstagen der Provinzialverbände, den Erziehungstagen, den Generalversammlungen der deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge von großen Gesichtspunkten aus erörtert. Infolge der politischen Umwälzung, der Niederlage Deutschlands im' Weltkriege und der hierdSrch eingetretenen Verarmung und drohenden Zerstückelung Deutschlands sehen auch die jüdischen Gemeinden einer schweren Zeit entgegen. Um so notwendiger ist es, den Deutsch - israelitischen Gemeindebund (Berlin W., Steglitzer Straße 9) praktisch und ideell zu unterstützen. Wir senden ihm zu seinem Jubiläum die herzlichsten Glückwünsche und sprechen die