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Im deutschen Reich · 1919-05-01 · Heft 5 (Mai 1919) · p. 206

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 5 (Mai 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-05-01
Page
206 (sequence 4)
Language
German
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206 2Tu deuischsn Reich bei München aufhielt, seine Hindernisreise von München nach Berlin, die acht Tage dauerte. Er erzählt: Der Zug der JsariaEahn war Werfüllt. Alles Flüchtlings aus München, sozialdemokratische Frauen, besorgte Mütter mit Kindern, bedroHte Gewerkschaftsbeamis, aber auch gelassene, wohlgenährte Mitbürger, die hamstern fuhren. Plötzlich steht so ein aufgepolsterter Herr auf und verteilt Ausrufe gegen das jüdische Kapital. Dann stcht er in der Mitte des langen Waggons und schmettert eine Rede heraus. Eine Frau hat den Aufruf gelesen und nickt dem Redner mi ,Lhna kenn i fcfto.“ „Vielleicht von mein' Peer Gynt her?" t Es ist Herr Dietrich Eckart, der cm? der Flucht Volksversammlungen im Eisenbahnwagen hält. Eine Sozialdemokratin cmüvorteL ihm. Da dreht sich der Dichter des „Peer Gynt" um und erklärt: „Wissen 'S', mit Damen politisier' ich nicht, jetzt scho gar nicht." Alles lacht. Herr Eckart wird vor Vergnügen noch dicker. Das Konterfei des Dicken muß neben die Porträts Dinters und Arthur Trebitschs gehängt werden. Dieses schriftstellernde Trio fühlt sich von Juden verfolgt. Herr Trebitsch hat jüngst in seinem Berliner Vortrag — wir stählten das in unserem Aprilheft — seinen Zuhörern im Anschluß an fehle Fixationstheorie geklagt, daß seine Buchdramen, in der Presse nicht besprochen und von Reinhardt nicht aufgeführt werden. Wehe über die — jüdische Wirtschaft! Herr Dietrich Eckart, der öajuvarische Dramatiker, der inzwischen selber Verleger geworden ist, hat ebenfalls Grund, über die Berliner Kritik erbost zu sein. Lobt die Kritik Berlins einen Dramatiker,'so ist sie „maßgebend"', tadelt sie ihn, so ist sie „verjudet". Herr Eckart hat Ibsens „Peer Gynt" übersetzt. Nein, es lag ja schon längst eine mustergültige Uebersetzung von Christian Morgenstern vor. Herr Eckart hat „Peer Oynt" bearbeitet und sein redliches Philisterbemühen in langen Ausführungen als philosophische und pädagogische Notwendigkeit darzulegen versucht. Herr Eckart hat eine Vorliebe für das Platte. Er fühlte sich darum gedrängt, Ibsens schwerblütige Komödie, die den Norwegern einen Volksspiegel vorhält, dem breiten Publikum schmackhaft zu machen. Er hat die Tiefen des dramatischen Gedichtes fleißig ausgesüllt und die Höhen abgetragen, auf daß sich der Durchschnitts-Theaterbesucher behaglich auf der ebnen Wiese ohne Anstrengung ergehen könne. Zm Lessing-Theater, der „jüdischen" Bühne, wurde damals der echte „Peer Gynt" aufgeführt; im Königlichen Schauspielhause zur gleichen Zeit der Eckartsche „Peer Gynt". Die Berliner Kritik hat die Verballhornung Ibsens herb getadelt, worauf Dietrich Eckart eine umfangreiche gereizte Broschüre gegen seine Kritiker (zu denen auch ich gehörte) schrieb. Sie war wieder einmal gegen den Dnrchschnittsgeschmack, dem Reklame zu Hilfe kam, machtlos. Die jüdische Kritik hat ihm aber das Geschäft nicht ver-

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