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Im deutschen Reich · 1919-05-01 · Heft 5 (Mai 1919) · p. 197

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 5 (Mai 1919)
Article
Die Juden, die Antisemiten und die Regierung
Date
1919-05-01
Page
197 (sequence 2)
Language
German
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Die Juden, dir Antisemiten und die Regierung 1S7 Wer. all' jene Dinge auch nur ein wenig kennt, der weiß: Lehmanns Verlag hat. ein riesengroßes Maß von Schuld am Zusammenbruch Deutschlands, soweit dieser direkt oder indirekt dem unverantwortlichen Treiben der Alldeutschen (von Lehmann bis Ludendorff) und des Alldeutschtums zuzuschreiben ist. Wer gestohlen hat, brüllt am lautesten: „Haltet den Dieb?" und so kommt im Lehmannschcn Verlag ein Dr. Wa! terLiek mit einer (unseren Lesern schon bekannten) Broschüre heraus, die sich betitelt: „Der Anteil des Judentums am Zusammenbruch Deutschlands". Was weiß nun Dr. Sie! uns zu erzählen? Der eigentliche Krankheitsherd im nationalen Körper-Großdeuischlands ist: der Einfluß des Judentums. Dessen Schuld an Deutschlands Zusammenbruch liegt um so klarer aus der Hand, als ja England und Frankreich im Grunde genommen nichts anderes sind denn Helfershelfer der Juden. Jener Judeneinfluß macht sich jetzt ganz besonders bemerkbar in einem starken Hervortreten von Juden an und in leitenden Regierungsstellen. - Hier kommt ein uraltes antisemitisches Rezept (oder sagen wir besser: Hausmittel) zur Anwendung: Findet man nicht genug Juden, so macht man sich welche. Darum zählt Dr. Liek neben den wirklichen Juden in der Regierung auch die auf, die längst nicht mehr drin sind, ferner „Halbjuden", seit vielen Generationen getaufte, Dissidenten, Christen, die mit einer Jüdin verheiratet sind oder sein sollen, Philvsemiten (Dr. David!) und schließlich solche, die nach dem „Semitürschner" „aus Grund jüdischen Aussehens verdächtig" sind: jene bekannteAntisemiten-Rnbrik, die stets zu so großer europäischer Heiterkeit Anlaß gibt. Hier marschieren denn auf: Reichspräsident Ebert! Adolf Hossmann! Vogtherr! Dr. Erdmann! Ja sogar Dittmann, den andere Antisemiten (Dr. Liek scheint nicht einmal die eigene Partei- und Geschäfts-Literatur zu kennen) als den Typ "des echten Deutschen längst verherrlicht haben. Daß der so gut beschlagene Autor auch Männer wie Kautsky, Dr. Lausenberg, Lenin, Polizeipräsident Ernst-Berlin und andere dieser Ärt als Juden aussührt, sei nur um deswillen registriert, weil er um „zuverlässige Ergänzungen" bittet, die ihm ja vielleicht aus den Listen des Kaiserlichen Jachtklubs zur Verfügung gestellt werden könnten. Lenin übrigens muß er, koste es, was es wolle, als Juden zur Verfügung haben, um „die jüdischen Millionäre" Lenin-Trotzli-Radek ausmarschieren zu lassen! — Ließe nicht Dr. Lieks politische Versiertheit so gut wie alles zu wünschen übrig, dann hätte er sich wohl gehütet, auch den „Philvsemiten" (f) Fürst Lichnowsky in diese Debatte zu ziehen, der — als Judenmarionette —- eine Politik getrieben haben

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