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Im deutschen Reich · 1919-04-01 · Heft 4 (April 1919) · p. 180

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 4 (April 1919)
Article
Gegen einen Kongreß der Juden
Date
1919-04-01
Page
180 (sequence 2)
Language
German
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ISO Im deutschen Reich d a s I i f r o e l". Er führt für seine ablehnende Stellung folgende Gründe an: „Der Kongreß soll aus unseren jüdischen Gemeinden nach dem Vor-- haben der Kongreßfreunde „V o l k s g em ei n d e n" machen. Wohl sind viele Gemeinden verbesserungsbedürftig. Wer wir wehren uns dagegen, daß die rein religiösen Gemeinden in soziale Gebilde um'geschaffen werden. Der Kongreß soll nach dem Wunsche seiner Werber die „jüdisch-nationale" Schule schassen. Wohl wünschen wir gewiß sehnlich gutjüdische Schulen herbei auf dem Boden der GotLeslehre und des überlieferten Gesetzes. Aber wir wehren uns dagegen, daß unsere Kinder in nnjüdischjüdische Schulen gezwängt werden; in Schulen, in denen das Judentum als rein politischer Na ti o n a l b e g r i f f aufgezeigt wird. Der . Kongreß soll nach dem Willen seiner Einberufer die Juden Deutschlands' zu einer politischen Einheit zusammenschließen. Wir haben aber in Deutschland keine politischen Sonderbestrebungen; wir verlangen in Deutschland lediglich VollöürgerrechL und die Möglichkeit, unbeschränkte LhoraLreue zu üben. Somit gäbe der Kongreß ein grundfalsches Bild und den Anlaß zu bedenklichen Mißverständnissen. Der Kongreß bezweckt ferner, und zwar ausgesprochen in erster Reihe, „zionistische" Propaganda. Wir zionstreuen Nichtzionisten wollen uns aber nicht nur zum Vorspann dieser Gelüste benutzen lassen. Aus der kongreßfreuüblichen Presse kommt' der arglose Leser leicht zu dem Eindruck, als seien in anderen Ländern die Juden schon fast einmütig und geschlossen zu den daselbst einberufenen Kongressen erschienen. Das ist unzutreffend. Die Schilderungen der Massenerfolge sind übertrieben. Und wir würden durch unsere Teilnahme dazu verhelfen, daß anderswo wierderum der falsche Ein-', druck entsteht, als sei die Orthodoxie der Kongreßoewegung zugetan. Das aber müssen wir vermeiden. Der Kongreß hierzulande soll nach der Absicht feiner Betreiber als Glied die Kette der anderen Landeskongriesse schließen und später in einem Weltkongreß gipfeln. Was soll uns der im Gegensatz zur Thora stehende, rein nationale Weltkongreß? Er. müßte unser jüdisches Volksbekenntnis in seinsx sinaitischen Reinheit trüben und verfälschen. Unsere Weltanschauung ist getrennt von der kongreßfreundlichen. Hier das G o t t e s j u d e n t u m der Thora — dort, t h o ra l o s e Politik. Wohl mögen praktisch beide Gruppen Hand in Hand arbeiten, wo und insoweit es ohne Crundsatzverletzung angeht. Wer geistig darf es keine Vermischung und Verwischung geben." Auch die freie Konferenz der bayrischen Rabbiner hat in ihrer Jahresversammlung einstimmig eine Erklärung beschlossen, die auf streng national-deutschem Boden steht. Es heißt in ihr: „Wie die Bekenner der israelitischen Religion allezeit in Treue zum bayrischen Vaterlande standen, so werden sie auch unter den veränderten Verhältnissen ihm die volle Treue wahren und dem Gedeihen des bayrischen VolksstaateZ alle ihre K äf e widmen. Durch nichts werden sie sich hierbei abschrecken, von menuuio sich die Zugehörigkeit zum bayrischen und deutschen Vaterlande bestreiten lassen. Wir sind bayrische und deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens und wollen in voller Gleichberechtigung an denselben Pflichten und Rechten teilnehmen wie alle anderen Bürger. In die politische Betätigung der einzelnen kann und will freilich "das Judentum nicht eingreifeu und kann dafür auch nicht verantwortlich gemacht werden Es ist keine politische, sondern eine religiöse Gemeinschaft und verpflichtet als solche alle seine Bekenner, den Vorschriften der Bibel und der Ueberlieferung gemäß das Wohl des ' Vaterlandes zu fördern und seinen Gesetzen zu gehorchen. . . Von unseren Glaubensgenossen erwarten und fordern wir, daß sie allesamt.

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