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Im deutschen Reich · 1919-04-01 · Heft 4 (April 1919) · p. 179

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 4 (April 1919)
Article
Zur jüdischen Kongreßfrage
Date
1919-04-01
Page
179 (sequence 2)
Language
German
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Zur jüdischen Kongreßfrage 179 läufig Mn jüdischer Staat sei. Selbst bei „Evakuierung" der anderen dort lebenden Bevölkerung, bei Meliorisierung des Landes und Besiedlung der ' Gebirge würde Palästina nur für etwa zwei Millionen Juden Raum ge- ' währen können, also nur einen Bruchteil der 14 Millionen betragenden Judenheit aller Länder. Auch die Aeußerung des französischen Ministers Pichen Herrn So ko law gegenüber erwecke nicht zweifelsfreie Hoffnungen, da in ihr von den Wünschen seiner „Glaubensgenossen" die Rede ist. Außer in Amerika und in der Ukraine haben jüdische Kongresse nicht stattgefunden. In England und Frankreich kennt man bis zur Stunde keine Kongreßbewegung. Der amerikanische Kongreß, auf dem nur ein Zehnte! der dortigen Judenheit vertreten war und wo beschlossen wurde, sich „zugunsten eines jüdischen Gemeinwesens unter Sachwalterschaft Britanniens" zu betätigen, har seitdem merkwürdigerweise nichts von sich hören lassen. Die Tatsache, daß die Entente zur Friedenskonferenz keine deutschen Juden zugelassen hat, erscheint dem Redner sehr bedeutsam: sie dokumentiert die Einschätzung der deutschen Juden als Deutsche und nicht als Angehörige eines jüdischen Volkes. Des weiteren geht Redner auf das Programm des jüdischen Kongresses, ein. Neben einigen auch von nichtzionistischer Seite erhobenen Forderungen, wie die der tatsächlichen Durchführung der völligen Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, Aufhebung aller Ausnahmebestimmungen gegen ausländische Juden, enthalte das Programm für deutsche Juden unannehmbare Punkte: Die Umgestaltung des jüdischen Lebens auch hierzulande in national-jüdischem Geiste oder die üblicherweise auch für .. Deutschland beanspruchte nationale Autonomie. Für die völlig-» Gleichberechtigung erblickt der Redner Gefahren angesichts einer zionistischen Politik, die etwa hier nur nach jüdischen Interessen orientiert sein will'. Aeußerungen in der „Jüdischen Rundschau", wie die des Herrn Erich Cohn, die freilich hinterher von demselben. Blatte desavouiert wurden, sind nur die logische Konsequenz des national-jüdischen Gedankens. Für die Mehrheit der deutschen Juden ist obendrein der jüdische Kongreßqedanke völlig unannehmbar durch die Voraussetzung, daß nur Angehörige des jüdischen Volkes sich an ihm beteiligen dürfen-. Mithin darf ein von deutschen Zionisten berufener Kongreß" nichts anderes als ein solcher •fein; er ist nicht berechtigt, sich als Vertretung der deutschen Juden zu bezeichnen. Darin fordert Redner Klarheit und Wahrheit. Eimen Gegenkongreß hält er mit Rücksicht aus die so notwendige Einheit der Interessen der deutschen Juden gegenüber der Außenwelt für nicht angebracht, wohl aber sei er erforderlichenfalls für einen allgemeineil Kongreß aller deutschen Juden. Gemeinsame Fragen, wie Trennung von Staat und Kirche oder die Aufhebung des Judengesetzes von 1847 u. a. irr., könnten auf ihm behandelt werden. Es wäre aber nur möglich unter den beiden Voraussetzungen, daß wahlberechtigt nur diejenigen sein dürfen, die jüdischer Religion und deutsche Staatsbürger sind. In letzterem Punkte könnte die Milderung gewisser unter der früheren Regierung eingetretener Härten gegen Ausländer angestreöt werden. Jedenfalls bleibe das eine notwendig: Die Erörterung von Fragen über die Stellung der jüdischen Bürger zu ihren Mitbürgern in Deutschland gehöre lediglich vor das Forum" deutscher Staatsbürger. Als etwaiger weiterer Programmprmkt des allgemeinen Kongresses könnte auch die Stellung der deutschen Juden zu den national-jüdischen Fragen zur Erörterung gelangen, und hierbei würde sehr bald die erforderliche Klarheit über den wahren Willen der deutschen. Judenheit zutage treten. Redner schließt seine Ausführungen mit der'Mahnung/zur Kongreßfrage Stellung zu nehmen nicht nur als Jude, sondern auch als Deutscher. Gegen einen Kongreß der Juden, wie er von den Zionisten geplant ist, wendet sich der Halberstadter Gruppenverband der „Ag'u -

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