Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- Noch einmal "Deutschlands Erneuerung"
- Date
- 1919-04-01
- Page
- 164 (sequence 2)
- Language
- German
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164 Im deutschen Reich Sic f zu einer E weiten Verbreitung seines in „Deutschlands Erneuerung" veröffentlichten Elaborats „Der Anteil des Judentums an dem Zusammenbruch Deutschlands" durch Sonderdruck, „Wohin ihr faßt, ihr werdet Juden fassen". Natürlich faßt Liek unentwegt zu auf Grund des berüchtigten Lugenwerkes „Semrkürschner". Liebknecht und Ledebour stempelt er zu Juden. Voigtherr, Dittmann, Erdmann, Ebert, Büchner, Hoffmann stehen >,auf Grund ihres Ausst'heus in Verdacht". Ueberflüfsig, zu sagen, daß die Juden Kaiser Wilhelm und Bethmann-HeUweg beherrscht haben, ebenso das Heer. Nicht etwa der II-BooL-Krieg, sondern die Juden haben Amerika veranlaßt, einzugreifen. Denn wenn Deutschland zertrümmert unteracht, blüht das Geschäft der Juden. Sie waren die Ursache des Krieges, des Judenfriedens, des Wuchers, des Schleichhandels, der Siltenverderbnis. Das gewaltige Volk der Germanen ist von einer Handvoll Juden unterjocht worden. Dem Verfasser ist es rätselhaft, „wie sich ganze Völker von dieser Macht leiten lassen können". Dieser Satz ist die einzige Oase in einer Wüste von Blödsinn. Wer gedruckt wird es, gelesen und — die Dummen werden . nicht alle. Beschämend aber ist es, daß eine, aus so niedrigem Niveau stehende Hetzarbeit stich in einer Zeitschrift findet, als deren Herausgeber neben.Ehamberlain fungieren: Geh. Rat M. v. Grube r , Prof. Or. Dietrich S ch er e f e r und der Rektor der Alma rnater Berolinensis, Geh. Rat Prof. th'eol. Seeberg. Die Aerzte, die die „Münchener medizinische Wochenschrift" beziehen und wissenschaftliche Beiträge für sie liefern, werden sich merken, daß ihr antisemitischer Verleger in „Deutschlands Erneuerung" außer einer Flut von anderen Beschimpfungen es duldet, daß man von jüdischen Rechten sagt: „Für den jüdischen Arzt ist der Kranke in erster Linie ein Kunde und die Krankheit eine Ware." —I. * „Deutschlands Erneuerung" ist unfern Lesern nicht unbekannt. Schon vor mehr als Jahresfrist, im Dezemberheft 1917, hat unser Mitarbeiter F. G. dieser, wie sie sich selbst nennt, „vornehmsten" Zeitschrift ins antisemitische Gesicht geleuchtet und seiner Verwunderung Ausdruck gegeben, daß so „widerlich gemeine Unflätigkeiten" von den obengenannten . Herausgebern, mit ihrem Namen gedeckt werden. Wir, die Redaktion, fügten jenem Aufsatz noch eine Abfertigung der Ausführungen des verantwortlichen Redakteurs von „Deutschlands Erneuerung" hinzu und kennzeichneten die Ignoranz und den Dilettantismus dieses Herrn Dr. Erich Kühn in politischen Dingen. Wir schlossen damals mit der Bemerkung, „wenn . etwas' geeignet ist, Namen und Ehre des Deutschtums zu kompromittieren, so sind es Aufsätze von antisemitischer Gassenjungengesinnung". Inzwischen hat sich in der Gesinnung der Lehmannschen Monatsschrift nichts geändert. Selbst der Zusammenbruch Deutschlands ^nd die Revolution haben die Leiter und Herausgeber nicht zur Einkehr veranlassen rönnen. Im Januarheft erschien der oben erwähnte Artikel des Herrn Liek, auf den wir bereits in unserer Um- . schau vom Februar kurz hingemiesen. haben, wahrend wir im Briefkasten derselben Nummer die Abwehr aödruckten, die die „Republik" in . Rüstringen dem Liekschen Artikel zuteil werden ließ, und die mit den Worten schloß:' „Die Diagnose auf Verfolgungswahnsinn ist damit von selbst gegeben." Inzwischen wird für den Sonderdruck des Liekschen Sammelsuriums von dem Lehmarrnschen Verlag eine so große Reklame gemacht, daß wir es für nötig hielten, noch einmal auf diese Angelegenheit zurückzukomrnen.