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Im deutschen Reich · 1919-04-01 · Heft 4 (April 1919) · p. 162

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 4 (April 1919)
Article
Alldeutscher Antisemitismus
Date
1919-04-01
Page
162 (sequence 2)
Language
German
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162 Im deutschen Reich Liest man sich durch die sieben Spalten großen gelben Formates durch, so erschrickt man nahezu vor dem Grad von Verblendung, vor dem Mange! an jeglicher Einsicht, vor der Robustheit, mit der offenkundige Tatsachen ins Gegenteil um» gedreht werden. Unterzeichnet ist dieses gelbe Dokument von der Hauptleitung und dem Geschäftsführenden Ausschuß des Verbandes mit sämtlichen Namen. Es ist also auch äußerlich eine offizielle Kundgebung, die Mitte Februar in mehrtägiger Sitzung zu Bamberg beschlossen worden ist. Sie muß demgemäß gewertet werden. Ein solches Dokument, das bewußt oder unbewußt auf eine Gegenrevolution hinarbeitet, nutzt den Spartakisten, und die Rettung, die der Alldeutsche Verband mit seinen Vorschlägen und Plänen dem deutschen Volke bringen will, wäre die rapide Fortsetzung des Niederganges, in den uns die Alldeutschen — wenn auch nicht allein — geführt haben. Hinweg auch mit der letzten Spur alldeutschen Einflusses! ist der Ruf aller derer, die Deutschland retten wollen. Der Alldeutsche Verband aber, von jeher antisemitisch, hält zur staatlichen Wiedergeburt Deutschlands die Zurückdämmung des jüdischen Einflusses für notwendig. Die Juden seien, so wird ausgeführt, ein volksfremder Bestandteil der Reichsbevölkerung; die „Zurückweisung ihrer Machtansprüche hat mit Glaubensfragen gar nichts zu tun". Wer erhebt Machtansprüche und wer hat sie erhoben? Die Alldeutschen oder die Juden? Wer hat während des Krieges entscheidenden Einfluß ausgeübt? Die Alldeutschen oder die Juden? Wer hat mit seinem Einfluß und seiner Pressemeute, die in den Burgfrieden eine bis dahin unbekannte rüde Tonart hineinkläffte, jede Friedensgelegenheit, jede Friedensbestrebung, jede Friedenssehnsucht niedergedrückt? War Ludendorff, der heimliche Diktator Deutschlands, in dessen Hand alle Fäden, auch die politischen, zusammenliefen, der Mann der Juden oder der Alldeutschen? Das Dokument sagt weiter: „Ohne das zersetzende und verhetzende Treiben der alljüdischen und der ihr gleichgerichteten Presse wäre der Krieg nicht verloren worden, wäre der Umsturz mit seinen verwüstenden Folgen nicht gekommen." Wer hat den Krieg verloren? Ludendorff hat jetzt selber in seiner kürzlich veröffentlichten Rechtfertigung den Krieg in dem Augenblick für verloren erklärt, da Bulgarien zusammenbrach. Für diesen Zusammenbruch sind aber nicht am wenigsten die Alldeutschen verantwortlich, die nach dem Frieden von Brest-Litowsk die deutschen Heere zu einem weiteren Eindringen ins Baltikum, Finnland und die Ukraine trieben, anstatt die bulgarisch-österreichische Front zu stützen.

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