Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Ein bemerkenswertes Zugeständnis
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 142 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316891--29655-2355449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Im deutschen Reich 142 Ein bemerkerrswertes Zugeständnis wird in dem HaupLorgan der Konservativen, der „Kreuzzeitung", in der Nummer vom 12. Februar von Prof. Otto Hoetzsch gemacht. In einem Ueberblick über die äußere Politik der Woche beschäftigt er sich auch mit dem Zionismus und schließt seine Betrachtungen mit folgenden Worten: In den völlig neuen Verhältnissen, die der Kriegsausgang hierbei bringt, stellt sich den 14 Millionen Juden der Welt ein neues Leben, sagen wir gleich vielleicht die Erlösung in Aussicht, und das muß überall, auch bei uns, zu einer vertiefteren Auffassung der jüdischen Frage führen. Welches Interesse wir namentlich an der Ostjudenfrage haben, und daß auch uns ein jüdisches Palästina in seinem Zusammenhang mit dem Ostjudentum von großem Werte wäre, das sei nur gestreift. Nur eine internationale Macht liegt in alledem nicht. Weder sind im Kriege die amerikanischen Juden so bedeutsam, wie man annahm, geworden, noch hat das internationale Kapital, das in jüdischen Händen ist, auf den Kriegsverlauf und das Kriegsende wirklichen Einfluß ausgeübt. Freispruch. Der antisemitische „Hammer" hat seinerzeit dem „Prager Tageblatt" vom 21. Januar 1918 die Notiz entnommen, daß der Hotelbesitzer Samuel Sonnenschein in Ischl wegen U e b e r s ch r e i L um g von Höchstpreisen beim Verkauf von Mazzoth zu einem Monat strengen Arrest und zu 15 000 Kronen Geldstrafe verurteilt worden sei. Die Tatsache der Verurteilung war richtig. Wer der Oberste Gerichts¬ und Kassationshof hat der Beschwerde Sonnenscheins gegen jenes Urteil Folge gegeben und das verurteilende Erkenntnis des Kreisgerichtes Wels als nichtig aufgehoben. Die Sache wurde zur weiteren Verhandlung und Entscheidung an das Bezirksgericht in Bad Ischl verwiesen, damit dieses prüfe, ob die Voraussetzungen -einer Uebertretung in Sachen der Preistreiberei vorliegen. Vom Bezirksgericht Ischl wurde Sonnenschein am 25. September 1918 freigesprochen; da die Staatsanwaltschaft Wels gegen den Freispruch Berufung einlegte, wurde die Strafsache dem Landesgericht Linz übertragen. Auch dieses hat Herrn Sonnenschein freigesprochen. Bücherschau. Die Zukunft Palästinas. Von Mehemed Emin Essend i. Ein Mahnruf ufw. Frankfurt 1918. Verlag I. Kaufsmanin. 40 Seiten. Preis 1 M. 7 Vom Standpunkt eines praktischen Politikers aus werden die Schwierigkeiten erörtert, die sich aus der Uebernahme Palästinas durch das jüdische Volk ergeben. Der in ein türkisches Pseudonym sich hüllende Verfasser geht in seinem Schriftchen geigen einen Judenstaat in Palästina davon ans, daß die Macht eines Volkes nicht nur von der' Kopfzahl (die hier verhältnismäßig gering sein würde) und vom Kultuivgrad abhänge, sondern auch von der kriegerischen Tüchtigkeit. Diese spricht der Verfasser trotz gegenteiligen Beispielen im Weltkriege den Juden nicht als Rasse, aber infolge ihrer historischen und wirtschaftlichen Entwicklung ab; sie haben sich seit altersher intellektuell betätigt und mußten nicht gegen kriegerische Feinde, sondern gegen Not und Verachtung kämpfen. Auch das ,^gute Herz", das Mitleidsgefüh! der Juden, werde dem Bestand des jüdischen Staates gefährlich fein, ebenso die Neigung, sich — im Gegensatz etwa zu den Japanern — von den eigenen Stammesgenossen nichts bieten zu