Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Stummer Antisemitismus
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 141 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermischtes 141 n a t i o n a l en Vol k sp a r t ei statt. Den Ha-uptvortrgg hielt , PsarrÄ T r a u b , der nach dem kurzen Bericht der „Deutschen Tageszeitung" (vom 13. Januar) kein Wort gegen die Juden gebraucht hat; äber mir leisen in dem Bericht: „Im Saal war inzwischen eine Zahl von Plakatträgern einmarschiert, anscheinend Mitglieder eines antisemitischen Vereins, die — wie stumme Zwischenrufe — Bei. bestimmten Stellen der RÄe ihre Plakate erhoben, auf 'denen dann zu lesen wart Los vom Juldentum! Fort mit der. Judenwirtschast! Wählt keinen Juden! usw." „Anscheinend Mitglieder eines antisemitischen Vereins"! ^Das ist eine schamhafte Umschreibung. Die Antisemiten gehören zur Deutschnationalen Volksparkei. Der Zirkus Busch war, wie derselbe Bericht mitteilt, so überfüllt, daß er geschlossen werden mußte. Die Pläkatträ.ger konnten also nur einmarschieren mit der Erlaubnis de's Vorstandes der Versammlung. Die antisemitische Demonstration gehörte von vornherein mit zum demagogischen Arrangement. Man vermied aus irgendwelchen taktischen Gründen .judenhetzerische Aeuherungen und ersetzte sie durch stumme aktive Mitwirkung von entsprechenden Plakaten. Antisemitismus in einer Frcmenhschschule. Die Hochschule für Frauen in Leipzig hat eine Anzahl von Vorträgen veranstaltet, in denen die Frauen über die Grundlagen des politischen Lebens aufgeklärt werden sollten. Zu diesen Vorträgen wurde auch der bekannte „Hammers-Antisemit, Theodor Fritsch, zugelassen, der über die Mittelstandsparteien sprach und die Gelegenheit benutzte, auch die Judenfrage in seinem Sinne in den.'Kreis der Betrachtungen zu ziehen. Er hat, nach dem Zeugnis mehrerer christlicher und jüdischer Frauen, in seinem Vortragunbewiesene Schmähungen aus das Judentum in stattlicher Zahl gehäuft. Rabbiner Dr. Felix Goldmann hat darauf in einem Schreiben an den Verwaltungsdirektor der Hochschule, Or. Prüfer, gebeten, in den Zyklus auch noch eineu objektiven Vortrag über die Jüdenfrage einzureihen. Dr. Prüfer hat diesen berechtigten Wunsch abgelehnt mit der Begründung, die Vortragsreihe sei bereits abgeschlossen; außerdem sollte nur über politische Parteien gesprochen werden, das Judentum könne aber nicht ckls solche angesehen werden. Die Begründung ist, wie wir kaum hervorzu.heben brauchen, ganz und gar nicht stichhaltig. Ein Vortrag über die Jüdenfrag'e hätte sich mit Leichtigkeit noch einflechten lassen, insbesondere da Rabbiner Dr. Go'ldmann sich bereit erklärt hatte, einen geeigneten Redner nachzuweisen. Ferner müßte nach den Angriffen des Herrn Fritsch ganz von selbst die verlangte Genugtuung gewährt werden, daß die Zuhörerinnen von einem geeigneten Redner dem Zerrbild gegenüber sin wirkliches Bild von den deutschen Juden erhalten. Keine Anstellung von Juden. Im Dezemberheft unserer Zeitschrift haben wir das Schreiben der Berliner Firma Grauert & Zink an ehre jüdische Dame wiedepgegeben, aus dem zu folgern war, daß die Firma jüdische Angestellte nicht beschäftigen will. Aus Anlaß dieser Notiz hat uns die Firma ein längeres Schreiben gesandt, in dem die beiden Inhaber versichern, daß sie persönlich keine Kenntnis von jenem Briefe an die jüdische Dame gehabt hatten; während ihrer Abwesenheit sei eine Dame mit den Personalangelegenheiten betraut gewesen, und diese habe jenen Brief diktiert, ohne sich über die Stellungnahme der Firma zu vergewissern. Die Annahme, daß jüdisches Personal überhaupt nicht engagiert werde, sei falsch. Allerdings seien in der Zeit, wo jene Dame die Personalangelegenheiten rn der Hand hatte, keine jüdischen Angestellten beschäftigt gewesen, sonst aber habe die Firma fast dauernd unter ihrem Personal auch Juden. Die Inhaber bedauern den Anlaß zur Veröffentlichung und „hoffen zuversichtlich, daß sich ein ähnlicher Fall bei uns nicht wieder ereignen wird". — Auch wir hoffen das.