Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Dr. Dinter auf den Spuren Rohlings
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 140 (sequence 2)
- Language
- German
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140 Im deutschen Reich „Schundliteratur"), ist während der Wahlen zur Nationalversammlung auch als Redner aufgetreten und hat hierbei die jüdische Religion verunglimpft. Landesrabbincr Dr. Wiesen forderte nun in einem „Eingesandt" in der „Eisenacher Zeitung" Herrn Dr. Dinter auf, ihm die betreffenden Quellen im Talmud, im K o I n i d r e g e b e L oder in anderen Religionsschriften des Judentums namhaft zu machen, welche die vom Redner vorgebrachten Schmähungen und Verdächtigungen der jüdischen Religion und ihrer Bekenner rechtfertigen. „Selbstverständlich verlange ich eine Rechtfertigung nicht auf Grund jener Quellenfälschungen der Rohling, Brimann und jener Konsorten, die durch Gerichtsdokumente, durch Resolutionen der Theologen- und Orientalistenkongresse entlarvt und abgetan und bereits früher in den Schriften Dr. Martin Luthers als „Narrenwerk" bezeichnet worden sind, sondern ich verlange von Herrn Dr. Dinter die Bezeichnung derjenigen Quellen/die er auf Grund eigener Wissenschaft neuerdings aus dem Talmud selbst erforscht haben könnte." Dr. Dinter hat darauf in den „Deutschvölkischen Blättern" vom 2i. Februar spaltenlang geantwortet. Er nutzt einen anonymen Brief aus Eisenach zu der wahnwitzigen Behauptung aus, daß das Judentum ihm zu dem moralischen Meuchelmord auch noch den „körperlichen Meuchelmord" androhe; aber er werde trotzdem das Judentum und die jüdischen „unsittlichen, verbrecherischen, gemein- und staatsgefährlichen Gesetzesvorschriften" weiter bekämpfen. Ein neuer Märtyrer! Ein neuer Rohling! Da wir unmittelbar vor Abschluß des Märzheftes stehen, müssen wir uns eine Erwiderung auf das „wissenschaftliche" Material des Herrn Dr. Linker, der sich z. T. auf den „Hammer"-Fritsch stützt, Vorbehalten. Die sog. Judenpartei. Während des Wahlkampfes wurden in Berlin und in Städten des Reiches Zettel an die Wände geklebt und Inserate veröffentlicht ungefähr des Inhalts, daß jeder Jude die Kandidaten der Demokratischen Partei wählen müsse. Es war ein unehrliches Manöver der deutschnativnalen Antisemiten, die durch eine solche Aufforderung hofften, viele Christen von der Wahl für die Demokratische Partei abzuhalten und dadurch vielleicht an sich heranzuziehen. Die Mahlzeit ist vorüber. Aber noch immer wird von der rechten, und besonders von antisemitischer Seite zu durchsichtigem Zweck die Demokratische Partei als Jüdenpgrtei bezeichnet. Lassen wir dem,gegenüber einige Ziffern sprechen. Die Gesamtzahl der Juden in Deutschland beträgt etwa 600 000, von denen die Hälfte wahlberechtigt sein dürfte. Abzuziehen ist ferner die Bevölkerung von Elsaß-Lothringen und denjenigen Teilen des Ostens, in denen die Wahlen durch die Polen sehr erschwert oder gar verhindert wurden. Ferner sind abzuziehen diejenigen jüdischen Wähler, die für die Sozialdemokratie und die Unabhängigen und derjenigen, die im Westen für das Zentrum gestimmt haben. Und schließlich dürfte es auch einen Teil von Juden geben, die ihre Stimme der Deutschen Volkspartei, dem ehemaligen rechten Flügel der Nationalliberalen, gegeben haben. Es würden demnach für die Demokratische Partei im allerhöchsten Falle 200 000 jüdische Stimmen abgegeben worden sein. Auf diese' Partei sind aber bei der Wähl zur Nationalversammlung beinahe by2 Millionen Stimmen gefallen, so daß sie ohne die jüdischen Deutschen immer noch über 5% Millionen Wähler aufzuweisen haben würde. Die Bezeichnung Judenpartei ist also ein antisemitischer Schwindel. Stummer Antisemitismus. Am Sonntag, den 12. Januar, fand im überfüllten Berliner Zirkus Busch eine Wahlversammlung der D e u t s ch -