Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1919-03-01 · Heft 3 (März 1919) · p. 139

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 3 (März 1919)
Article
Die Unterzeichner des berüchtigten rosa Flugblattes
Date
1919-03-01
Page
139 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316888-2316891-2355365--29641-2355446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vermischtes 139 sind in Zusammenhang mit einer Erpressung des „Politischen Geheimbundes" geraten. Der Arbeiter Karl Rieße hatte sich vor der Berliner 4. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten, weil er zwei Erpresserbriefe, in denen 2000 Mark gefordert wurden, an den Kaufmann Max Behrend und den Kaufmann Leopold Cohnreich geschrieben hatte. Der Schluß hieß: „Wir belästigen Sie nur ein einziges Mal; viele Ihrer jüdischen Glaubensgenossen müssen noch mehr zahlen; es sind schon 400 000 Mark beisammen. Es sind schon mehrere jüdische Herren, die sich bereit erklärt haben, Geld zu zahlen, dadurch Mitglieder des Bundes geworden. Der politische Geheimbund." Vor Gericht erklärte der Angeklagte aus die Frage des Vorsitzenden: Er habe die Flugblätter bekommen, die gegen die Juden hetzten. Dann habe er sich nach Schöneberg begeben, wo in der Wohnung eines Herrn Joseph Knauer Leute beisammen waren, die auf die Jude;: schimpften und sagten, es müßte gegen sie ein Blutbad angerichtet werden, wi-e in Rußland. Da habe er gedacht, es sei gestattet, gegen die Juden vorzugehen, wie man wolle. — Rechtsanwalt Dr. Bruno Jsaac beantragte, zwei dieser Flugblätter zu verlesen. Auf Gerichtsbeschluß wurden die Flugblätter mit den Ueberschriften „Ende des Militarismus — Anfang der Judenherrschaft" und „Die Juden, Deutschlands Vampire", verlesen. Der Verteidiger behauptete, daß darin direkt aufgefordert werde, die jüdischen Mitbürger auszuplünd-ern und totzuschlagen. Von den Unterzeichnern der Flugblätter war nur der zwanzigjährige Erich Kamrath als Zeuge zur Stelle. Er bekundete, daß in nicht öffentlichen Zusammenkünften das Vorgehen gegen die Juden besprochen worden sei. Wer der Verfasser der Flugblätter sei, wisse er nicht; er selbst habe nur eines unterschrieben, weil es seiner Ansicht entsprochen, daß die Juden nicht dominieren und nur in dem Prozentsatz in der Regierung sitzen dürften, der ihrer Einwohnerzahl entspreche. Unter das Flugblatt, in dem zur Ausrottung der Juden aufgefordert worden, sei sein Name zu unrecht gekommen. Rechtsanwalt Dr. Jsaac veantragte, außer den Unterzeichnern der Flugblätter auch Herrn v. Sch lieben als den vermeintlichen intellektuellen Urheber zu laden und den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Der Angeklagte sei ein schwerer Hysteriker, der infolge der Aufhetzung durch solche blutrünstigen Reden und Flugblätter zu seinen Taten beeinflußt worden sei. Der Gerichtshof beschloß die Vertagung. Zum neuen Termin sollen als Zeutzen geladen werden: Joseph Knauer (Schöneberg). Joseph Pelzer (Tempelhof). Erich Kamrath (Friedenau) und Reaierungsbaumeister Koch (Schöneberg) als die Unterzeichner der Flugblätter. Unter dem Flugblatt „Ende des Militarismus — Anfang der Judenherrschaft" stehen nur die drei erstgenannten Namen als Eisenbahnpionier, Armierungssoldat und Minenwerfer. Aus der Aussage des Eisenbahnpioniers Knauer geht hervor, daß er nicht einmal weiß, wer das von ihm Unterzeichnete Flugblatt verfaßt hat! Die berliner aber und alle anderen, denen dieses Pamphlet in die Hand gedrückt worden ist, mußten annehmen, daß sie den Not- und Rettungsschrei dreier deutscher Soldaten, nicht den von Strohmännern vernehmen, die „von nichts etwas wissen". Hoffentlich wird die weitere Gerichtsverhandlung den intellektuellen Urheber der beiden Schandflugblätter seststellen. Einstweilen wird Herr von S ch l i e b e n als solcher genannt. Du. Drnttr auf den Svnrerr Rohlings. Dr. Arthur Dinier, mit dem wir uns schon wiederholt beschäftigt haben (so im Januar-Heft in dem Aufsatz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.