Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Die freie jüdische Volkshochschule
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 135 (sequence 2)
- Language
- German
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Gefängmspsarrer und Rabbiner 135 sei auch die jetzige Zeit eine Zeit des Niederganges des deutschen Lebens, aber ebenso wie der neue Geist der neuen Hochschule dem am Boden liegenden Staat neue Kräfte für den Aufstieg und Wiederaufbau verliehen habe, hoffe er, daß die Freie jüdische Volkshochschule für die Judenheit wirken werde. In schwerer wirtschaftlicher Zeit ertöne der Ruf an die jüdische Jugend, mehr als bisher die jüdischen Wissenschaften zu pflegen. Die Freie jüdische Volkshochschule soll jeder Meinung und jeder Lernanschauung Geltung verschaffen, sofern sie nur auf wissenschaftlicher ernster Grundlage aufgebaut sei. Als zweiter Redner sprach Professor Dr. Heinrich Loewe über Einführung in die jüdische Volkskunde. Er wies darauf hin, daß die jüdische Rasse die erkennbarste unter allen lebenden Menschenarten sei. Er sprach in interessanter Weise über die Mischung der semitischen Rasse, über ihren Typus und Habitus, über echte und unechte Juden, über Sprache, Geschichte und Gebräuche, Glauben und Aberglauben, Volkslieder, Volkserzählung und Humor. Die Feier schloß mit dem Vortrag der Beethoven-Hymne „Die Himmel rühmen". Die Vorlesungen der Freien jüdischen Volkshochschule haben am 24. Februar d. I. begonnen. Sie finden zum Teil im Logenhaus, zum Teil in der Leibniz - Oberrealschule, der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, im Bürohaus Börse und in der Handelshochschule statt. Als Vertreter des Centralvereins hat Assessor Dr. Hirschfeld eine Vorlesung über die Trennung von Kirche und Staat angekündigt. * Die zionistische „Jüdische Rundschau" beschäftigt sich in einem Aufsatz (18. Februar) mit der Freien jüdischen Volkshochschule und schließt ihre Ausführungen mit folgenden Worten: Es muß sich zeigen, ob nicht wenigstens auf dem rein geistigen Gebiet der wissenschaftlichen Belehrung die Möglichkeit eines fruchtbaren Zusammenarbeiten mit den Liberalen und Assimilanten, die zurzeit noch die Mehrheit der deutschen Juden bilden, vorhanden ist. Der Versuch muß gemacht werden, aber eines können wir unseren Freunden jetzt schon sagen: Wir werden auf der Hut fein, daß die Volkshochschule ihrer Bestimmung, tendenziöses Wissen von Juden und Judentum zu verbreiten, treu bleibt. Wahrhaft tendenzfreie Wissenschaft, die nichts beweisen und nichts bewirken will, ist lebendiges und im höchsten Sinne nationales Volksgut. Die Freie jüdische Volkshochschule wird entweder frei sein, oder sie wird nicht sein. Daß der Centralverein den lebhaften Wunsch hat, daß die Lehre frei bleibe und nicht in den Dienst einer jüdischen Partei tritt, braucht nicht erst betont zu werden, da es selbstverständlich ist. Wir hoffen, daß die Ehrlichkeit dieses Wunsches bei allen die gleiche fein wird. Daß die Zionisten ihre Gegner „Liberale und Assimilanten" nennen, sich selbst als die Erbpächter des Konservativismus und der Rechtgläubigkeit bezeichnen, darf nicht Wunder nehmen. Ihre Propagandatendenzen überwiegen den Verständigungswillen. __ Gefangnispfarrer nnd Rabbiner. Unter dieser Überschrift haben wir im Januarheft den Briefwechsel zwischen dem Dortmunder Rabbiner, Herrn Dr. Jacob, und dem dortigen Gefängnispfarrer, C. Schmidt, veröffentlicht, der aus Anlaß von antisemitischen Bemerkungen des Pfarrers, die