Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 3 (März 1919)
- Article
- Zur Frage eines jüdischen Kongresses in Deutschland
- Date
- 1919-03-01
- Page
- 103 (sequence 7)
- Language
- German
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. Was nun? ' 103 essenvertretung der deutschen jüdischen Gesamtheit zu bilden haben, damit die halbe Million deutscher Juden nicht länger ohne ein Organ bleibt, das sür sie spricht und handelt. Der Kongreß wird die gebieterische Forderung nach Gleichberechtigung aller Juden aussprechen müssen, er wird Einspruch erheben müssen gegen alle Beschränkungen und Ausnahmegesetze, die sich nur gegem die Juden richten. Er wird sich mit der Frage der Autonomie der jüdischen Massensiedlung zu besassen haben und endlich zu dem werdenden jüdischen Palästina in irgendeiner Weise Stellung nehmen müssen. Es ist eine Fülle von Aufgaben, die auf dem Kongreß zu lösen sind. Daß eine solche Fülle von Ausgaben überhaupt vorhanden ist, rechtfertigt schon allein seine Notwendigkeit. Möge sich das deutsche Judentum aller Richtungen der Verantwortung bewußt sein, die diese schicksalsschwere Zeit ihm auferlegt. Kämpfe um den Kongreß und auf dem Kongreß werden nicht ausbleiben. Mögen sie in geziemender Weise geführt werden, würdig der großen Sache, zu der sie hinleiten, würdig best Judentums, dem zu dienen sie bestimmt sind! * Die Zionisten versenden in Form einer vom Empfänger auszuMenden Postkarte folgende vorgedruckte Erklärung: „Ich erkläre mich für die Einberufung eines Kongiresses aller in Deutschland w o h n e n d e n Juden, die im Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum jüdischeu Volk an der Entwicklung eines lebendigen Judentums Mitarbeiten wollen." Es folgt Vor- und Zuname, Stand, Adresse, Alter. Außerdem wird gebeten, das Alter aller über 20 Jahre alten Familienmitglieder . anzugeben. — Wir dürfen annehmen, daß kein Mitglied des Central Vereins diese Postkarte ausfüllt oder, wer es in Unkenntnis der prinzipiell gegensätzlichen Beurteilung in der Hauptfrage des jüdischeu Volkes doch bereits getan hat, die Unterschrift zurückzieht. Was nun? Von Geh. Justizrat Or. Eugen Fuchs, Berlin?) Der Krieg ist verloren, das Reich zusammengebrochen. Der Sturmwind der Revolution hat die deutschen Throne hinweggefegt; die Republik ist ausgerufen, das Alte ist gestürzt. Welche Konsequenzen ergeben sich aus den neuen Verhältnissen für uns deutsche Juden, sür die Ziele und Wege des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens? Der Centralverein ist gegründet als ein innerpolitischer Abwehrverein. Er hat sich vorerst nur um die Gleichberechtigung *) Der Aufsatz erscheint in den „Neuen jüdischen Monatsheften" und ist uns iw. Fahnenabzug freundlich zur Verfügung gestellt worden.