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Im deutschen Reich · 1919-02-01 · Heft 2 (Februar 1919) · p. 94

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 2 (Februar 1919)
Article
Gegen die deutschnationalen Juden, für die Zionisten!
Date
1919-02-01
Page
94 (sequence 2)
Language
German
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94 Im deutschen Reich Partei veröffentlicht. In einem dieser Inserate wurde vom internationalen Judentum gesprochen, dagegen wurde in beiden betont, daß Zionisten der Deutschnationalen Volkspartei „herzlich willkommen" seien. Damit wurde gleichzeitig ausgedrückt, daß die deutschnational empfindenden Juden der Deutschnationalen Volkspartei nicht willkommen seien! Die „Deutschnationale Volkspartei" mag selber aufkläben, warum ihr «diejenigen jüdischen Mitbürg'er, welche jüdischnation-al-empfinden, willkommen sind, dagegen diejenigen, welche deutschnational empfinden, zurückgestoßen werden sollen. Im Wahlkampf muß man den einzelnen Parteien manches Nachsehen. Aber die Deutschnationalen waren immer antisemitisch; es handelt sich hier also nicht um eine taktische Frontstellung nur während des Wahlkampfes. Und die Zionisten sind von den Antisemiten schon immer glimpflich behandelt worden. Man stellte sie als Musterjuden hin, weil sie nach der Ueberzeugung der Antisemiten über kurz oder lang Deutschland — verlassen wollen. _ ZeituttgsfLiMMerr. Die Schädlichkeit des Antisemitismus wird in der Zuschrift eines jüdischen Lesers an das „Neue Tageblatt" in Stuttgart (vom 8. Januar) beleuchtet. Der betreffende Herr schreibt: Seit 26 Jahren lebe ich im Ausland. Zum zweitenmal im Kriege kehre ich als Flüchtling mit Frau und Kindern H'it die Heimat zurück. W e f I i. chDeutscher bin, nicht weil ich Jude bin, müßte ich Haus und Geschäft verlassen. Denn stets bin ich trotz aller Vorteile, die eine Naturalisation mir hätte bringen können, deutscher Staatsbürger und Stuttgarter Bürger geblieben. Wie oft, wenn ich in früheren Jahren meinen belgischen Freunden gegenüber bei, politischen Diskussionen den deutschen Standpunkt vertrat, wurde mir erwidert: „Was wollen denn gerade Sie? Ihr Juden habt doch in eurem Vater'lande nicht einmal die gleichen Rechte!" Und gerade im Kriege, als wir die Polen, die Flamen und weiß Gott wen noch zu „befreien" Vorgaben, wurde von unseren Feinden höhnisch auf den Antisemitismus bei uns hingewiesen, um den Völkern zu zeigen, wie wlr Minoritäten, unterdrückte Teile der Bevölkerung, zu behandeln gewohnt seien! Und die gleichen Leute, die den Juden im Inlande ihr Deutschtum absprechen, wundern sich und spielen die Entrüsteten darüber, daß viele Juden im Auslande trotz ihrer deutschen Abstammung sich während des Krieges antideutsch benommen haben. Ja, ist es denn zu verwündern, wenn Kinder und Kindeskinder deutscher Juden im Auslande nichts mehr wissen wollen von dem deutschen Vaterland, das ihre Väter als minderwertige Staatsbürger bezeichnet und behandelt hat? Ist es zu verwundern, daß sie sich dem Lande anschließen, das ihnen gleiche Rechte nicht nur nach dem Buchstaben des Gesetzes, sondern auch tatsächlich politisch, wirtschaftlich und — nicht zuletzt auch gesellschaftlich einräumt? Welch ungeheure Summe von Intelligenz und Arbeit, von Menschen und Kapitalkrast ist uns durch die antisemitische Hetze.feit 40 Jahren verlorengegangen! Und wir andern deutschen Juden, die wir im Auslande trotz aller traurigen Erfahrungen unser Deutschtum stets hochgehalten und unsere Pflicht als. Deutsche im Krieg und im Frieden stets erfüllt haben, wir müssen uns heute die schmerzliche Frage vorlegen, ob wir gut daran getan haben, die Existenz, das Familienglück, Hab' und Gut zu opfern, um als „boebe" von Haus und Herd verjagt — in der Heimat aber als „Jude" verbrannt zu werden! Bedenken denn die antisemitischen Verbrecher nicht, daß sie durch ihre Hetze die Haltung der ausgew änderten und naturalisierLen Juden nachträglich rechtfertigen?

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