Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1919)
- Article
- Von einem Uebergriff des Soldatenrates
- Date
- 1919-02-01
- Page
- 93 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316890-2355221--29543-2355313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vermischtes 93 richter Br. B rons, der das Ansinnen mit ruhiger Würde ablehnte, gelang es schließlich/'die beiden Soldaten zu beruhigen. Amtsrichter Brons und 'die beiden Schöffen richteten eine Beschwerde an die preußische Regierung in Berlin in dem Sinne, daß die Unabhängigkeit der Gerichte vor solchem Terror geschützt werden müßte, wenn nicht schwerste Schäden einkreten sollten. Der Arbeiter- und Soldatenrat in Landsöerg hat dann in der Presse eine' Berichtigung veröffentlicht, wonach Hau PL mann Schmude nicht Mitglied des Soldatenvates sei, 'der Sold-atenrat von dem Vorfall in dem Schöffengericht keine Kenntnis gehabt und ihn auch nicht gebilligt habe. Hauptmann Schmude hat ferner der Synagogengemeinde ckn Schreiben zugehen lassen, in dem er fern Bedauern über den Vorfall ausdrückte; er habe die ihm entfallenen antisemitischen Äußerungen in der Erregung getan. Er sei kein Antisemit; es liege ihm fern, die Juden LanZdsbergs irgendwie zu bedrohen, er würde im Gegenteil im Ernstfälle ihnen jeden nur möglichen Schutz angedeihen lassen. — Damit ist der bedauerliche Zwischenfall erledigt. Wir möchten bei dieser Gelegenheit dem Vorgehen unserer Ortsgruppe Landsberg unsere Anerkennung äussprechen. Gefallene jüdische Aerzte. In einer Sitzung des Charlottenburger Vereins der Kassenärzte wurde berichtet, daß von 633 Mitgliedern des Vereins 355 im . Heeresdienst -außerhalb Berlins tätig waren, und daß von diesen 20 im Felde oder infolge im Felde erworbener Krankheiten gestorben find. Von diesen 20 sind 17 Aerzte als Juden geboren. Da die Antisemiten gern mit prozentualen Berechnungen arbeiten, sei bemerkt, daß <der Prozentsatz der Juden im Aerzteverein kaum 50 Prozent beträgt. Aus dem antisemitischen Hessen wird uns eine erfreulichere Mitteilung gefaridt. In Groß-Gerau wurde, da der Bürgermeister infolge Alters von seinem Amt zurückgetreten ist, Fabrikant Henrich Hirsch, bisher unbesoldeter Beigeordneter, Ehrenamtlich zum stellvertretenden. Bürgermei st er ernannt. Das ist nicht nur ein Zeichen der WerLschätzüng, die Herr Hirsch bei seinen Mitbürgern genießt, sondern auch ein begrüßenswerter Beweis der Eintracht und des friedlichen Nebeneinanderwirkens der verschiedenen Bekenntnisse in Groß-Gerau. Das antisemitische Marburg. Im Dezember fand in Marburg eine Versammlung aller Kliniker zwecks Begründung einer Klinikerschaft an der 'dortigen Universität statt. Der Versammlungsvorstand machte, wie die „Deutsche Israelitische Zeitung" vom 26. Dezember mitteilt, für die Statuten den Vorschlag, Ausländer nur mit vier Fünftel Stimmenmehrheit auszunehmen. Ein Herr Berlin entgegnete dann: „Nicht nur alle Ausländer, sondern auch die Hebräer müßten vollständig ausgeschlossen werden. Wir Deutsche," so führte er aus, „müssen ebenso stolz auf unsere Rasse sein wie die Hebräer. Ich kenne die Marburger Verhältnisse. Die Juden bekommen bei uns die Oberhand. Sie sind es, die unsere heutige Regierung bilden." Er schloß dann mit den Worten: „Marburg war stets die Hochburg des Antisemitismus und wird es auch bleiben." Eine große Anzahl Kliniker tat durch Trampeln kund, daß der Antragsteller ihnen ganz aus dem Herzen gesprochen habe. Ohne weitere Diskussion wurde zur Abstimmung geschritten und der Vorschlag des Herrn Berlin mit großer Mehrheit angenommen. Böcke! spukt offenbar noch in Marburg. Die Klinikerschaft hat weder politische noch Rassenrntereffen zu vertreten, sondern einzig und allein die Interessen der Studierenden in SLudienangelegenheiLen. Ihre jetzige Handlungsweise schlägt der demokratischen Gleichheit der akademischen Bürger geradezu ins Gesicht. Gegen die deutschnaLionalen Inden, für dis Zionisten! Im „Karlshorster Anzeiger" vom 4. und 7. Januar waren aus Anlaß der Wahl zur Nationalversammlung Inserate der Deutschnationalen Volks-