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Im deutschen Reich · 1919-02-01 · Heft 2 (Februar 1919) · p. 90

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 2 (Februar 1919)
Article
In Offenbach a. M.
Date
1919-02-01
Page
90 (sequence 1)
Language
German
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90 Im deutschen Reich In Osfen-ach a. M. fand im Januar matter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Dr. G u g g enheim die Hauptversammlung der Ortsgruppe des CentrvLvereins statt. Der Vorsitzende hielt ein Referat über den Centralverein und seine Tätigkeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Justizrat Dr. Goldschmidt sprach zur Lage. Beide Vorträge fanden, wie uns berichtet wird, großen Beifall. Die Diskussion war sehr leibhaft. Die Versammlung wählte dann einstimmig den bisherigen Vorstandwieder, der sich zusammen setzt aus den Herren: Rechtsanwalt I>. Guggenheim, 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt und Notar Justizrat Dr. Goldschmidt, II. Vorsitzender; Ingenieur Gustav Gabriel; Bankier Wilhelm Merzbach; Fabrikant Ludwig Rotschild; Rabbiner Dr. Goldschmidt. In Halle hielt unser Ortsverein unter dem Vorsitz des Herrn Katz eine sehr gut besuchte Versammlung ab, in der Herr Wald stein das Referat erstattete. Es sei, so führte er aus, nicht möglich, alle Vorwürfe zu entkräften, bie uns Juden von rechts und von links häufig in entgegengesetztem Sinne gemacht werden. Aber wir könnten persönlich manches im Keime ersticken. Der Referent wies auf bie Pogrom-Anzeichen hin und 'betonte, daß in Halle in wissenschaftlichen Kreisen ein Nest des Antisemitismus bestehe. Für den Abwehrkrieg müßten wir völlig gerüstet sein; darum sei Einigkeit nötig; aber auch Geldopfer müßten gebracht werden. In der regen Diskussion wurde von einigen Herren der Antisemitismus in Halle milder eingeschätzt als vom Referenten. Von anderer Seite wurde dagegen betont, daß der Antisemitismus zugenommen habe. Aufklärende Arbeit in christlichen Kreisen sei notwendig. Der Referent erklärte in seinem Schlußwort, daß der Vorstand der Ortsgruppe dem Antisemitismus gegenüber aus der Wacht sei. Das Jugendheim in Königsberg. Aus Königsberg wird uns berichtet: Mit der Eröffnung unseres Jugendheims, über dessen Einweihung in dieser Zeitschrift seinerzeit berichtet wurde, ist das Leben ftt unserem Centrälverein in ein ganz neues Stadium getreten. Nunmehr ist allen unseren Mitgliedern und Freunden Gelegenheit geboten, die Räume unseres Vereins täglich auszusuchen, die in -großer Anzahl dort ausliegenden Zeitungen zu benutzen, Schach zu spielen und zu musizieren. Dies wurde besonders angenehm von den Soldaten empfunden, die nach Königsberg eingezogen waren und hier keinen Anhang hätten. Ganz abgesehen davon sind wir infolge des Vorhandenseins unseres Jugendheims in die Lage oersetzt worden, außer den regelmäßigen Vorträgen Spezialzirkel einzurichten, die sich eines sehr guten Besuches erfreuen. So haben wir vor allem zwei Zirkel unter der Leitung der Herren Dr. Lazar und Perlmann eingerichtet, in denen die Teilnehmer über die aktuellen Probleme des Judentums unterrichtet werden und Gelegenheit haben, sich in der freien Aussprache zu üben. Ferner haben wir einen literarischen Zirkel gegründet, in welchem unter der Leitung der Damen Behrend und Striemer verschiedene Dichtungen gelesen werden, die einen gewissen Zusammenhang mit dem Judentum haben. Außerdem besteht noch ein musikalischer Zirkel. Die beiden zuletzt erwähnten Zirkel haben bei den Feiern und Freitag-Abenden unseres Vereins zur Verschönerung der Veranstaltungen erheblich beigetragen. Was die einzelnen Vorträge und Veranstaltungen betrifft, so seißn folgende besonders erwähnt: „Anteil der Juden an der deutschen Kunst der Gegenwart". „Der Prophet Fesaias". „Konfessionelle Militär-Statistik". „Die politischen Parteien und die deutschen Juden". „Berufsberatung". „Zur Judenfrage". „Die jüdische Frau". „Die jüdische Bewegung in Berlin". Dem Unterricht über aktuelle Fragen dienen auch die Zeitungsreferate, die verschiedentlich in unserem Verein gehalten würden, und an die sich regelmäßig eine ergiebige Aussprache anschloß. Vor allem wurde an zwei dieser Diskussions-Abende über Assimilation

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