Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1919)
- Article
- Von der Judenverfolgung in Warschau
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 31 (sequence 2)
- Language
- German
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Von der Judenverfolgung in Warschau 31 P i! s u d s k i sreigelassen hat. Dem Organisator Pilsudski, der einen hervorragenden Stellvertreter an der Spitze der Legionen zurückgelassen hatte, war es ein leichtes, den ihm von den Deutschen selbst gebotenen, geradezu fabelhaft günstigen Moment so gut auszunutzen, wie es eben ging. Die „T. 8t" aber weiß angesichts der verwickelten Etappenverhältnisse — in Belgien ging es betanmüch nicht viel anders zu — nichts Besseres, als einen „israelitischen B i z e s e l d w e b e l" für alle Unbill verantwortlich zu machen und dementsprechend zu beschimpfen. Tatsächlich hat ein jüdischer Bizeseldwebel veraruworrlich nütgearbeiter, aber nur im Nahmen eines Kollegiums, dessen s ä m t l i ch e übrigen Mitglieder andersgläubig waren. Weshalb also mutz nur die Religion des Juden gebrandmarlt werden? (Weil die „Tagt. Rundschau" ein Antisemitenblatt ist. D. Red.) Die Vertreter des alten Regime sollten sich selbst an die Brust chlagen! Wenn überhaupt einzelne Personen für den Warschauer Zuammeubruch verantwortlich gemacht werden können, so sind sie es auschlietzüch gewesen, die sich übrigens — wie bekannt — im letzten Augenblick sehr wenig männlich gegeigt' haben. Was wurde denn getan, um den Putsch im Keim zu erfüllen oder ihm zu begegnen, nachdem er, was dem Beobachter in den letzten Wochen klar sein mutzte, unvermeidlich geworden war? Von den Polen war gut vorgearbertet,, von den Deutschen — was niemand bis nach der Katastrophe für möglich gehalten hatte — kein einziger Soldat in Bewegung gesetzt worden. Das war schon mehr als kindliche Gutgläubigkeit. Jedes Kind in Warscyan sah nach all den Protestumzügen, Ultimaten usw. den Aufruhr voraus, der mit der Räumung kommen mutzte. Der einfache Landsturmmann fragte immer wieder besorgt, ob denn genügend von obenher gesichert sei oder ob nicht besser so schnell wie möglich geräumt werde. Als immer mehr Legionen he ran rückten und die Stadt besetzten, munkelte man, vom Westen feien zum Schutze der Deutschen ganze Divisionen im Anzuge. War „doch das österreichische Okkupationsgebiet schon völlia in Händen der Polen! Aber nichts ist geschehen, und auf diese Weise ist den Polen das Okkupationsgebiet mit allen unseren Reichtumern vom alten Regime geradezu in die Hände gespielt worden. Die Hauptleidtragenden bei dieser Räumung waren die polnischen Juden, da sie nicht nur mit ihrem Gut, sondern mir ihrem Leben den Abzug der Deutschen büßen mußten. Die Logik der Polen ging dahin, -daß sie, nachdem sie mit den Deutschen fertig geworden waren, nun mit ihren eigentlichen „Landesfremden" abrechnen wollten: den Juden. Es ist, wie immer, der wirtschaftliche Neid, der angesichts des Elends dieses jüdischen Proletariats so widerwärtig wirkt. Welch ein Vorbild sind doch diese Polen! Mich haben viele Juden beim Abzug unter Weinen bestürmt, wir Deutsche sollten doch zu ihrem Schutz im Lande Reiben, da schreckliche Pogrome bevorständen. Sie wurden denn auch gleich zu Hunderten in der Stadt und auf dem Lande gequält, unter der Beschuldigung, sie seien die Unruhestifter, die Bolschewik!, die Deutschenfreunde, wie es gerade paßte. Beweis auch die Pogrome in Lemberg nach dem Abzüge der Oesterreicher! Da ist es denn doch eine Lächerlichkeit, die nur noch durch die Unwissenheit übertrumpft wird, wenn ein Jude als im Gegensatz rnm deutschen Interesse befindlich gezeichnet wird. Assessor Br. Meyer, Zurzeit Düsseldorf.