Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1918)
- Article
- Ein Berliner jüdischer Roman [Rezension]
- Date
- 1918-12-01
- Page
- 467 (sequence 1)
- Language
- German
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Ebr SerflssEi jüdischer Sternen m Ekr Berttrrer Mdischer Rsm<m» . „Der Hst^weein Berliner Rsmcrn von L. Audn 2 l (Verlag Erich Reiß, Berlin 1916), erheischt dnt eingehendere Würdigung gerade arr vieler Stelle. Der „HolMeg" ist nämlich hier im ollgemeinen ber falsche, vom Ziele ablenkende Weg zum Glück, und im besonderen die Taufe. Wieder einmal ist es ein Erzeugnis scharier jüdischer Selbstkritik, daS uns da vorliegt. Wieder einmal toirb morn auf den ersten Blick leicht geneigt sein, es zu beklagen, daß immer aufs ntut Juden es sind, die durch übertreibende oder doch stark austragende Darstellung jüdischer Schwächen die Arsenale unserer Gegner mit Waffen füllen. Und ein Jude ist der Verfasser. Das zeigt nicht etwa die genauere Kenntnis jüdischen Wesens und jüdischer Einrichtungen — gerade die ist mitunter zu öeranffen —, das erweist vielmehr der Ton verhaltenen Schmerzes, in dem die. Anklagen vorgebracht sind. Wenn die F e t n b { e I i g l e i t schadenfroh und gehässig übertreibt, wenn kal^ H n Parteilichkeit mit stumpfer Forschersachlichkeit untersacht, ist es der Liebe eigen, mehr zu klagen als anzuklagen und die ausgeteilte Züchtigung selbst am schmerzlichsten zu empfinden. Und mit der Wehleidigkeit einer Frau, die unter den Mängeln oder Unarte?? ihrer nächste?? Angehörrasn bitter leidet, Wldert hier die Verfasserin — -denn nur mit dem Scharfblick einer Frau können die hier dargestellten Kreise so erkannt und festgehalten sein — mc Gruppe aus ber jüdischen Gesellsch a s L Berlin s. Ls kann bezweifelt werden, ob der Zeitpunkt für eine solche Selbstkritik gut gewählt ist. Wenn es gilt, sich gegen einen äußeren Feind Zn Verteidigen, -dann müssen innere Streitigkeiten schweigen. Dann heißt es, Burgfrieden halten, heißt es, sine einheitliche Verterdigungsfront bilden. Und die deutschen Jude?? sind in vollem, stetig sich verschärfendem Kampfe gegen einen äußrer? Feind. Ein witziger Kopf wnrs, der einmal gemeint hat: „Der Antisemitis--? ums wird nie etwas erreichen, wenn ihn nicht ein tüchtiger Jude in die Hand nimrntl" Nun denn, die tüchtigen Juden finden sich, die btm Antisemitismus Waffen und Munition Zuführen. Ist es aber Zu beklagen und Zu verurteilen, wenn leidige jüdische Selöstironis und Selbst- Verspottung in einem wahre?? Anekdotengestöber den Judenfeinden Pfeile liefern, die diese mit vergifteten Spitzen wieder in unsere Reihen abschießen, so ist doch der Erzähler, der Sitten sch ilderer, in einer anderen Lage. Ihm kann es heilige Pflicht werden, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, die Torheiten und Schwache?? zu bekämpfen, indem er sie unnachsichtig in all ihrer Narretei oder Lächerlichkeit aufzeigt, lind überdies: die Woge der Judenfeindschaft ist nun seit gerade vier Jahrzehnten im Wachsen begriffen; man kann den Darstellern des jüdischen Lebens nicht zumuten, daß sie andauernd ihr Auge vor etwaigen Schwächen verschließen oder einen SHminktopf neben ihr Tintenfaß stellen sollen. Die Kreise aber, die in dem Roman „Der Holzweg" uns begegnen, können wir als typische Vertreter der jüdischen Gesellschaft Berlins nicht anerkennen. Die Familien, die ihre Töchter so rücksichtslos auf den Mann dressieren, können höchstens nur als Ausnahmen gelten, vollends in unseren Tagen der neuen Frauenberufe. Eltern gebildeter Kreise, die ihrer zwanzigjährigen Tochter bittere Vorwürfe machen, weil sie' einen jungen Herrn, den sie in Gesellschaft kenner-gelernt und mit dem sie wenige Minuten gesprochen hat, nicht sofort aüfgesordert hat, Besuch zu machen, können wir uns nur schwer vorstellen. Immerhin — es mag dergleichen geben; denn das ganze Buch macht den Eindruck voller Wahrhaftigkeit und Bekenntnistreue. Nur darf nicht als Regel dargestellL werden, was offenbar Ausnahme ist. Im übrigen ist in. der mannjg-