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Im deutschen Reich · 1918-12-01 · Heft 12 (Dezember 1918) · p. 460

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 12 (Dezember 1918)
Article
Der Jude als Ministerpräsident
Date
1918-12-01
Page
460 (sequence 2)
Language
German
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mo Qm deutschen Reich Juden find mit den Geschicken des deutschen Volkes in guten und schlechten Tage n , trat seinen Schmerzen und Freuden so Lief verwachsen, daß sie in ihrer Gesamtheit als deutsche Bürger nicht nur deshalb gleiche Rechte haben muffen, weil sie die gleichen Pflichten erfüllen, sondern weil sie einen unlösbaren Teil der vom deutschen Staat umschlossenen G e rn e i n s ch a f t ö i L L en und zum großen Teil seit unabsehbaren Generationen im deutschen Volke Leben und wurzeln. Die Interessen des jüdischer: Deutschen sind so völlig identisch mit denen des gesamten Deutschlands, daß dne Unterscheidung Zwischen Juden und Mchtjuden hinsichtlich ihrer Stellung zum Staats garten unmöglich — und unzulässig \% Daß Teile der deutschen Juden — die Zionisten -- die Wiedererrichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk ln Palästina erstreben, um dort dos Wesen des JudenLumZ in seiner Reinheit Wiedererstehen zu lasten und allen Juden, die sich bedruckt fühlen, freie Wohnstätten zu schassen, steht damit in keinem Widerspruch, wie daraus auch niemals ein Gegensatz zu deutschen Inte reffen entstehen kann. Deutsche Politiker aller Richtungen, von den „Unabhängigen" bis zu den Konservativen, haben das erkannt. Was macht nun diese Rahe! Rabinswitz aus hm Juden? „N euirale", Fremdlinge, die vom deutschen Volk nichts verstehen können, also Uninteressierte, WseiLsstehende gegenüber bcm deutschen BoK! Der jüdische Sozialistenführer Frank, der in den ersten Kriegslagen als Freiwilliger siel, war wohl neutral? Und all die jungen Juden, die als Kriegsfreiwillige und als Gerufene in unabsehbarer Schar vom ersten bis zum Letzten Kriegstag ihr Leben ließen, standen die etwa dem Deutschtum fremd oder neutral gegenüber? Und bat irgend jemand das Recht, alle die Männer jüdischen Stammes, die so ungeheuer viel Zn Deutschlands politischer, wirtschaftlicher und geistiger Entwicklung örigetragen, von Laffalle. Banrberger und Srahl bis Frank und von BleichrödLr bis Rath-nau und Bellin, alle die ans dem deutschen Geistesleben nicht sortgedacht werdet? können, von Heine und Auerbach bis Schnitzler und den zahlreichen anderen Juden in der Dichtung unserer Tage als Fremde zu bezeichnen und ihnen das Verständnis fürs" deutsche Volk abzusprechen?I Es ist tief beschämend, daß es eine Jüdin gibt, bk ihrem Volk mit solchen Verdrehungen und Verleumdungen in den Rücken fällt, — und daß ein Blatt, das die Würde der bayerischen Zenrrumsvortei vertreten soll, skrupellos genug ist, dieses Machwerk abzudrucken, ohne sich auch nur Zu vergewissern, ob die Verfasserin geistig gesund ist, geschweige denn, ob sie jemand ist, der das Recht hat, als Jude hervorzutreten, ob irgendwelche jüdische Gruppe hinter ihr steht. Unter all den Vorwürfen, dir Naöinowitz dem Juden Eisner macht, kommt plötzlich der Satz: „Er lebt ja ganz in i n 11 r tt a i t o n a 11 ft t s ch - pazifistischsn Ideen"- Sie schwingt sich aber nicht Zur Klarheit auf, daß vielleicht gerade darin der Schlüssel für all das Zn suchen wäre, was sir Eisner vorZuwerfen für nötig hält. Auch wir wünschen, daß die Juden sich heute von den leitenden Staatsstellen Zuruckhalten möchten. Nicht weil wir Anfeindungen scheuen, zu denen böser Wille immer Gründe findet, sondern weil es uns als ein Gebot des Taktes für die deutschen Bürger jüdischer Nationalität erscheint. Die von uns empfohlene Zurückhaltung ist nur möglich und hat nur einen Sinn als völlig freie Willensentschl'reßung aus der Erkenntnis der tieferen nationalen Zusammenhangs, als freier Verzicht auf ein an sich unbesiriLLenes Recht. Sie aber durch eine wüste Hetze, wie dis gegen Eisner betriebene, erzwingen zu wollen, ist absurd.'"

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