Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-12-01
- Page
- 459 (sequence 9)
- Language
- German
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Der Qubc aU Ministerpräsident 459 mxh bas Blatt verschwand, nachdem es mehrere Nummern voll Gift irr bas Publikum hatte gelangen lassen können. Ferner Lat sich Herr Marten als Leiter eines Wahrheitsdundes auf, ebenfalls einer alldeutsch-antisemitischen Hetzorganisation. Kaum war der Krieg Zu Ende» so gründete der Vielseitige und Betriebsame eine Organisation zum Empfang der Truppen, die, da sie öffentlich Aergernis erregte, von der Kommandantur unterbunden wurde. Wie der Stadtkommandant Orto Wels in einer öffentlichen Berichtigung miiteüte, hat er (Wels) schon am Tage vor dem Putsch vom 6, Dezember schriftlich dem PsüZeipräsidsmen Eichhorn die Aufforderung übersandt, in der Wohnung und im Bureau des Marten eine Haussuchung vornehmen zu Lassen, Weil er ihn in Verdacht hatte, der Verbreiter der PogromfLugbLLtter in den Straßen Berlins Zu sein. Und nun entpuppte sich Herr Marten, int Verein mit dem Grafen Matuschka und dein Frciherrn von Rheinbaben, die recht" zeitig gesiüchret sind, als einer der Anstifter zu dem Putsch im AbgeordnetentzLuse. Vielleicht wird Lei der Vernehmung auch an den Tag kommen, welche alldeutschen Herren ihm die Gelder zu feinen vielfachen Hetzunternehrnungsn Angewiesen haben. I« Sch. Der ZrrLe als MiKisterprZfiderrL, Gegen Kurt Ersner, den „galizischeu Juden" (der übrigens in Berlin geboren ist), wird besonders in Bayern mit großer Schärfe gekämpft. Das ist das gute Recht der Bayern und aller Politiker, die mit den gefährlichen Eigenbröteleien des neuen bayerischen Mmist-erpräsidentsu unzufrieden find . Die meisten seiner Handlungen werden ja auch von liberalen, also von „jüdischen" Blattern aufs entschiedenste verurteilt. Das in München erscheinende „Jüdische Echo" veröffentlicht zu diesem Thema unter der oben wieder gegebenen Leberschrift sehr beherzigenswerre Ausführungen, die wir schon nm deffentwillen mit Genugtuung abdrucken, weil das Blatt der zionistischen Richtung angeh-ört und dennoch die jüdischen Deutschen als „unlösbaren Teil der vom deutschen Staat umschlossenen Gemeinschaft" bezeichnet. Das Blatt schreibt in der Nummer vom 29. November: „Man kann eine Wahrheit so verzerren, daß fle zur faustdicken Lüge und giftigsten Verleumdung wird. Ein Musterbeispiel dafür ist der unter obigem Titel in Nr. 328 des „Bayer. Kurier" erschienene Artikel von Ra Hel Ra bi nowitz. (Preisfrage: Wer ist diese plötzliche „Vertreterin" des nationalen Judentums?) Wahrheit ist, daß aus den allerverschiedensten Gründen viele Nichtjuden und Juden sich keineswegs darüber freuen, daß gegenwärtig ein Jude bayerischer Ministerpräsident ist. Viele Nichrjuden aus Antisemitismus oder durch die antisemitische Hetze öeeiuflußt, viele Juden aus Scheu vor den Anfeindungen, die ihnen — denen wirklich jeder Einfach daraus fehlte — aus dem Umstand, ba% ein Jude Ministerpräsident ist, erwachsen. Auf beiden Seiten leider ganz'wenige aus Erkenntnis der nationalen Tatsachen, die allein zu einer ruhigen und sachlichen Beurteilung der Angelegenheit führen könnte. Tatsache "ist, daß wir Juden anderen Stammes sind als die Mehrzahl des deutschen Volkes. Aber gerade von unserem Standpunkt aus stellen wir fest: bie deutschen