Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 11 (November 1918)
- Article
- Dr. Retter [Rezension]
- Date
- 1918-11-01
- Page
- 445 (sequence 2)
- Language
- German
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BLcherschau 445 Kunderts zu leiden hatten. Ein Gleiches war der Metzer Gemeinde öeschieden, die für einen fragwürdigen Schutz immer wieder große Geldopfer bringen mußte und so gezwungen war, bei den Ständen beträchtliche Darlehen «ufzunebmen. Die Not der Metzer Juden vermehrte sich noch durch die vielfachen drückenden Steuern, die ihnen auferlegt wurden, was wieder eine Verschuldung Lei reichen Bürgern zur Folge hatte. Die Lasten, die die Gemeinde zur Revolutionszeit zu tragen hatte, betrug die für dis damalige Zeit bedeutende Summe von 146 000 Livres, so daß jede zahlungsfähige Familie mit etwa 450 Livres belastet war. Mit Beginn der französischen Revolution nahm die Tilgung der Schulden ihren Anfang. Indes ergaben sich nun Schwierigkeiten darüber, wie die Juden des Metzer Landes von denen der Stadt bei der Repartierung der Zahlungen behandelt werden sollten. Dies führte zu oft unerquicklichen Auseinandersetzunaen, die uns der Verfasser sehr anschaulich und gründlich mit dokumentarischen Belegen schildert. Interessant ist dabei ein Schriftstück, in dem der nachmalige Minister und erste Präsident der Alliance^isra&ite universelle, Adolfe Sremieux, gegen eine aus die anderen Gemeinden des Moseldistriktes sich erstreckende Heranziehung zur Schuldentilgung energisch auftritt. Im Jahre 1854 ward biefe für die weitere Entwickelung der Gemeinde wichtige Angelegenheit endlich zur Zufriedenheit erledigt. In der Einleitung schildert der Verfasser kurz die Bedeutung der Gemeinde Metz im FrühmittelaLter, wobei er, was wir allerdings seinem Lokalpatriotismus zugute halten müssen, den berühmten R'Gerschom, „die Leuchte des Exils", noch immer für Metz beansprucht. Indes muß nach den neuerlichen Forschungen Abraham Epsteins als feststehend angenommen werden, daß R'Gerschom aus Main z stammt. Netter saßt auch entschieden den Begriff „Lothringen" in der Bezeichnung der „Chachme Lotcnre" zu eng, da man darunter das gan^ Gebiet des Rheins von Cöln bis Trier und hinein nach dem ehemaligen Burgund begreift. Im übrigen muß der Studie unsere lebhafte Anerkennung sowohl für den auf sie verwendeten Fleiß wie für die Form der Darstellung ausgesprochen werden. Berlin. Dr. E p p e n st e i n. Rumänien und seine Inden. Zeitgemäße Studien von Binjamin Segel. 1918. Nibelungen-Vsrlag, Berlin W. XVII und 287 S. I. Teil. Preis 4,70 Mark. Unter dem angeführten Titel hat vor kurzem Binjamin Segel, der durch seine Schriften „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen Volkes", „Die polnische Judenfrage" u. a. weiten Kreisen bekannt geworden ist, in einem Bande gesammelt die Studien herausgegeöen, die er seit Oktober 1916 zur Judensrage in Rumänien einzeln in der Zeitschrift „Ost und West" hat erscheinen lassen. Der Band ist für uns Juden eine willkommene Ergänzung der zahlreichen zur rumänischen Frage überhaupt seit Kriegsöeginn erschienenen umfangreichen Literatur, von der ich nur auf das in der „Kleinen Völker- und Länderkunde" bei Fr. A. Perthes in Gotha ISIS erschienene „Rumänien" von Otto von Düngern und auf das von demselben Verlage herausgegebene „Wirrschaftspolirische Handbuch von Rumänien" von V. von Onciul 1917 Hinweisen möchte. Auch Segel läßt reinen Ausführungen über die Juden Rumäniens einen kurzen Abschnitt über Rumänien und die Rumänen selbst vorangehen. Während dieser Abschnitt unverändert aus „Ost und West" in die Sammlung übernommen worden ist. hat der Verfasser die übrigen Aufsätze zeitgemäßen Umarbeitungen unterworsen. Unter Benutzung einer stattlichen Literatur, die im Vorwort angeführt ist, deren Beschaffung jetzt im Kriege dem Verfasser recht viel Mühe bereitet hat, und die in friedlichen Zeiten, wenn in- und ausländische Bücher-