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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 443

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Steuerscheu von Kriegsgewinnlern
Date
1918-11-01
Page
443 (sequence 2)
Language
German
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VermrschLes 443 Laß er weit über 2 Millionen Mark zu entrichten haben wird'. An den Adels-Prozeß schloß sich, wie die „Rheinische Zeitung" in Nr.. 167 schreibt, „ein ganzer Rattenkönig weiterer Prozesse. Einige sind bereits strafrechtlich, andere aus dem Verwaltungswege erledigt. In Mainz. spielt ein Bestechungsprozeß, der voraussichtlich noch vor dem Kriegsgericht verhandelt wird, weil höhere Militärpersonen darin eine Rolle haben. Vor einigen Tagen wurde gleichfalls vor der ElöerfelLer Strafkammer ein Steuerhinterziehungsprozeß verhandelt gegen den Solinger Fabrikanten Ä. Richartz, der für Mannesmann lieferte und sich den Raub mit dem Generaldirektors Adels und dem technischen Direktor teilte, indem Richartz und Adels je 40 Prozent, Eck 20 Prozent des (Gewinnes erzielten. Adels gab in seinem Prozeß an, daß Richartz ihm und Eck gut 66 Prozent aögeöen konnte, weil Richartz die Geschästsunkundigkeit der kleinen Meister, die ihn belieferten, ausnutzte, und bei dem Geschäft auch noch die Firma Marmesmann verdiente. Sie hat so viele Millionen verdient, daß Adels damals zu seinem Gehalt von 11 000 Mark 175 000 Mark extra verdienen konnte. Ebenso wie Adels hat nun aber auch Richartz „vergessen", den größten Teil seines Einkommens zu versteuern. Für diese Gedankenlosigkeit verurteilte die Elberfelder Strafkammer Richartz zu einer Geldstrafe von 322 000 Mark. Von Gefängnisstrafe wurde abgesehen, weil Richartz, im Gegensatz zu Adels, alles zugaö." Wir empfehlen diesen Prozeß den antisemitischen Blattern zur Veröffentlichung, obgleich wir überzeugt find,^ daß unsere Empfehlung vergeblich fein wird. Jene Blätter werden es nach wie vor vorziehen, jede Verurteilung von Personen, die einen jüdischen Namen tragen, zu veröffentlichen,"auch wenn es sich nur um im Schleichhandel gekaufte geringfügige Lebensmittel handelt. Ein deutsch-nationales Urteil über antisemitische Motive. Der Herausgeber des „Volkserzieher", Wilhelm Schwaner, der nicht selten selber im antisemitischen Fahrwasser segelt, hat das Wirken Walter Ra t h en.a u s in seiner Zeitschrift gewürdigt und ihm dabei Gerechtigkeit Widerfahren lassen. Das hat bei den unentwegten alldeutschen Anhängern des Rassegedankens eine Unzahl von Angriffen und Schmähungen gegen Schwaner hervorgerufen. Im letzten Heft des „Bolkserzieher" veröffentlicht dieser nun einen „Offenen B r i e f i n Sachen Juda", in dem Ernst Hauck die Motive der Rassehelden folgendermaßen enthüllt: „Rathenau sieht die kommenden Dinge im Zeichen des Sozialismus stehen. Er verlangt die Frage des Ausgleichs zwischen arm und reich (das „Problem der Kluft") in den Vordergrund aller Geistesarbeit gerückt. Er fordert zum Beispiel: „Oberhalb einer mäßigen Bermögenseinheit gehört jeder Nachlaß dem Staat"; „von der Höchstgrenze eines bürgerlichen Einkommens ab ist der Erwerbende nur bedingter Mitbesitzer des Erworbenen, und dem Staate steht es frei, ihm von diesem Ueöerschuß so viel oder so wenig zu belassen, wie er will"; „der Ertrag der Vermögenssteuern muß jeden Untertan vor Not schützen und ihm die Möglichkeit einer höheren Bildung gewähren". Und da haben wir den Bock an den Hörnern: Sozialismus — das wirkt auf die Pfaffen der Blutheiligkeit wie das bekannte - rote Tuch auf den Stier, obwohl sie sich sonst als Hüter von Thron und Altar ausgeben. Denn sie verehren neben dem eigenen Blut auch den eigenen Geldbeutel... Natürlich können sie nicht aufstehen und zetern: der Geist Rathenaus muß mit Schwefel und Pech ausgetrieben werden, weil er die Erfüllung des Christentums will! Da rissen sie ja ihre Fahnen selber in Fetzen. Wer sie dringen in uns: -helft Rathenau aus den Reichsämtern jagen, denn — er ist Jude..."

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