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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 442

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Ein antisemitischer Bürgermeister
Date
1918-11-01
Page
442 (sequence 2)
Language
German
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442 IM deutschen Reich Der „Deuischöund" baue feine Forderungen auf der Rassenbiologie auf und fordere daher das arische Blutsbekenntnis. Aus der Zugehörigkeit zum Bunde sollen keine Nachteile erwachsen; darum verschweige der Bund die Namen seiner Mitglieder. (Arisches Blutsbekenntnis und Mut der Ueberzeugung scheinen nicht zusammenzugehören.) Die „Wiener Arbeiterzeitung" bezeichnet? dieses Schreiben als einen Beweis des „dreisten Auftretens und der Frechheit, mit der sich die Alldeutschen in alle Verhältnisse einmischen". Näher aber Uig es der Görlitz er Jüdischen Gemeinde, sich weniger mit der Einmischung in Österreich; sck)e und ungarische Verhältnisse zu befassen, als mit der heimlichen antisemitischen Agitation ihres Bürgermeisters, der von den Zeitungen, veranlaßt durch den auf den Briefbogen ausgedruckten Vermerk „Oberbürgermeister" als Oberbürgermeister von Görlitz bezeichnet DurLe. Dem Bürgermeister Maß komm? jenes Prädikat als früherem Oberbürgermeister von Homburg zwar zu, aber durch solche Briefbogen mußte bei jedem Nichteingeweihten, noch dazu im Ausland, der Eindruck erweckt werden, es handle sich Am das Stadtoberhaupt von Görlitz. Der stellvertretende Vorsitzende der Görlitzer Synagogen-Gemeinde, Theodor Wieruszewski wandte sich im Namen des Gemeindevorstandes an Oberbürgermeister Snay, der sich in der ganzen Angelegenheit korrekt und unparteiisch benommen hat, und ltzgte energisch Verwahrung dagegen ein, daß Herr Maß unter Gebrauch seines Ämtstitels einen derartigen, für viele seiner Mitbürger schwer verletzenden Brief in die Welt gesandt habe, noch dazu in der Kriegszeit, in welcher Juden ihr Blut aus dem Schlachtfelde opfern und die Daheimgeblieoenen in der Betätigung von Vaterlandsliebe sich von keinem dentschvölkischen Gesinnungsgenossen des Herrn Maß übertreten lassen. Bürgermeister Maß, von Herrn Snay um Aeußerung über diesen Vorgang ausgefordert, erklärte zwar, daß dis GörNtzer Jüdische Gemeinde ihm niemals Anlaß zu einer absprechenden Beurleilnng gegeben und ihre Pflichten gegen Reich, Staat, Gemeinde und einzelne voll erfüllt habe, im übrigen hielt er jecm seinem Standpunkt bezüglich des jüdischen Geistes usw. fest, wobei er sich noch über die „alldeutschere Belangt verbreitete; denn er ist nicht nur Mitglied des „Deutsckbundes", sondern auch des „Alldeutschen Verbandes^. Der Vorstand der Görlitzer Sgnagoaengemeind? richtete daraufhin mte Zuschrift an Oberbürgermeister Snay des Inhalts, daß die Erklärung des Herrn Maß keine Genugtuung fei; ein besonderer jüdischer Geist, der dem deutschen Geiste widersprechen solle, sei nicht anzuerkennen; Auswüchse würden jederzeit verurteilt. Zu der Unparteilichkeit des Bürgermeisters Maß, der unter Anführung des Ämtstitels antisemitische Propaganda treibe und die Mitglieder des Deutschbundes verpflichte, zu gelvöen, daß sie in allen Beziehungen des Lebens, amtlich, beruflich und persönlich weite Kreise des deutschen Volkes, die eine andere politische oder religiöse Gesinnung haben, bekämpfen sollen, könne der Vorstand kein Vertrauen haben. Das Vorgehen der Görlitzer Jüdischen Gemeinde ist dankenswert. Herr Maß, der Ende des Jahres vor der Wiederwahl als Bürgermeister von Görlitz steht, hat bereits die Konsequenzen gezogen; er tritt mir Ablauf seiner Amtszeit in den Ruhestand. Er war seit 190? Zweiter Bürgermeister von Görlitz. Sterrerscheu vm Kriegsgewinnlern. Vor der Elberselder Strafkammer ist Ende August d. I? ein Prozeß gegen den Generaldirektor der Mannesmann Waffen- und 'Munit'ronswerke, Herrn Adels, wegen sehr beträchtlicher Steuerhinterziehungen zur Verhandlung gekommen. Herr Adels wurde zu sechs Monaten Gefängnis und 1542 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Außerdem hat er den hinterzogenen Betrag nachZuzahlen, so

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