Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 11 (November 1918)
- Article
- An unsere Freunde!
- Date
- 1918-11-01
- Page
- 441 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes 441 Bekannten alle die Zeitschrift lesen. Ist Lies nicht der Fall, so liegt das entweder daran, daß die Betreffenden — obwohl Mitglieder -- die Zeitschrift nicht erhalten oder daß sie Nichtmitglieder sind. In jeden? Falle erbitten wir Nachricht, damit wir die Adressen richngstellen und diejenigen Juden zur Mitgliedschaft veranlassen rönnen, die heute noch zurückstehen. — Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Herr I. B. Jonas in Münch e n - G la d ö a ch, der seit Gründung Le? dortigen Ortsgruppe Mitglied des Centralvereins ist und unsere Bestrebungen stets aufs wärmste unterstützt hat, hat seinen 80. ^Geburtstag feiern können. Die Wertschätzung, die Herr Jonas, der Vorsitzender des Synagogengemeinde-Vorstandes und Stadtverordneter ist, in M.-Glad- Lach genießt, drückte sich bei dieser Gelegenheit auch in den dortigen Blättern, Lern nationalliöeralen und dem ZenLrums-Organ, aus. Vermischtes» SoziaLdemokratie rmd antisemitische Beschuldigungen. Auf dem bayerischen sozialdemokratischen Parteitag am 13. Oktober wandte sich der jetzige Vorsitzende der Partei, Aög. Auer, in seinem Parwivorstandsbericht gegen die antisemitische Agitation und die vielfachen Anschuldigungen, die während des Krieges — auch innerhalb der sozialdemokratischen Partei — gegen die Juden erhoben werden. Er führt? nach dem Bericht der Müncherrer Post" (vom 14. Oktober 1918) hierzu aus: „Ich halte es für vollständig richtig, daß gegen das bestehende Drückebergerunwesen, gegen unsachgemäße Behandlung von Militär- und Zivilpersonen rücksichtslos vorgegangen wird, ebenso gegen Preistreiberei und Warenschieberei, meinetwegen auch gegen auffällige Kleidung. Es sind da eine llnmengevon Ä iß ständen vorhanden, die geradezu himmelschreiend sind. Aber falsch und ungerecht ist es, zu diesen Fragen unter dem Gesichtswinkel der Rassenzugehörigkeit Stellung zu nehmen. Nicht die Rassenzugehörigkeit des einzelnen ist die Quelle dieser Auswüchse, sondern wo derartige Dinge möglich sind, da muß das System falsch sein, nach dem gearbeitet wird. Wo Mißstände festzustellen sind, muffen wir sie rücksichtslos aufdecken und bekämpfen; der Stand, die religiöse Auffassung oder eine sonstige Rücksicht darf bei uns keine Rolle spielen. Unsere Genossen dürfen sich zur Stärkung der zweifellos vorhandenen antisemitischen Welle nicht mißbrauchen lasten, unsere Organisationen dürfen nicht der Tummelplatz für derartige unwürdige Treibereien werden. Wir treten in unserem Erfurter Programm ein für gleiche Rechte und gleiche Pflichten aller, ohne Unterschied des Geschlechts und der Abstammung. Wir wenden ums gegen jede Art der Ausbeutung und Unterdrückung, gleichgültig, ob sie sich richtet gegen eine Klasse, eine Partei, ein Geschlecht oder eine Rasse. Diese Grundsätze halten wir hoch, und nach ihnen arbeiten wir auch fernerhin. (Zustimmung.)" Ein antisemitischer Bürgermeister. Der Görlitzer zweite Bürgermeister, Konrad Maß, hat, wie wir im Sevtemberhest unserer Zeitschrift mittelsten, ein vertrauliches Weröeschreiöen u. a. auch nach Temesvar verschickt, in dem er um Mitglieder für den bekannten „Deutfchöund" warb. In dem Schreiben hieß es, daß der Kampf sich auch gegen den jüdischen Geist zu wenden habe, „der sich in unserem ganzen Kulturleben so breit macht und, mit erheblichen Mitteln ausgerüstet, immer stärker hervortritt"«