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Im deutschen Reich · 1918-11-01 · Heft 11 (November 1918) · p. 439

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 11 (November 1918)
Article
Mitteilungen der Hauptstelle für Berufsberatung der Juden
Date
1918-11-01
Page
439 (sequence 2)
Language
German
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Mitteilungen Lei Hauptstelle für Berufsberatung der Juden 439 Religionsgemeinschaft in den offiziellen städtischen Berufsöeratungsstellen auch an den höheren Lehranstalten zu bewirken und' begründete diese Forderung mit repräsentativen Gründen und dem Hinweis aus den praktischen Nutzen, der durch die Arbeit eines ständigen jüdischen Vertreters bei den allgemeinen Stellen den besonderen jüdischen Ausgaben erwächst. Direktor Alexander- Peine und Geheimer Baural Fraen kel- Berlin sprachen über Gärtnerei und L a n d w i r t s ch a f t bei der Frage der Berufswahl. Während der landwirtschaftliche Großbetrieb als Berusszweig weniger in Betracht kommt, tonnen Gärtnerei und Obstkulturen Zahlreichen jungen Juden eine auskömmliche Existenz bieten. Die Vorbereitung für den Berus hat schon in der Schule zu beginnen, die Gartenbau- und Handfertigkeitsunterricht auf ihr Programm setzen muß. Die jungen Leute sollen bei einem tüchtigen Gärtner oder Landwirt praktisch ausgeöilder werden, eventuell muß eine Ausbudungssiatte neu geschussen werden. Direktor Alexander be.wichnete es als Aufgabe der großen jüdischen Organisationen in Deutschland, die erforderlichen Kapitalien und das nötige Gelände zur Seßhaftmachung jüdischer Landwirte zu beschaffen. In der D i s? u s s i o n bezweifelte Rabbiner Br. Iacobus die Möglichkeit einer Berufsumschichtung durch Beratung und forderte als wirtschaftliches Instrument die Gründung einer großen jüdischen Mittelstandsbank. Justizrat M a g n n s vertrat diesem Plan gegenüber die Anschauung. daß die Berufsberatung in der Lage sei, wichtige Dienste bei der Umschichtung zu leisten. Sie soll die wenigen neuen Berufe suchen, welche Juden aufnehmen können, die aus ihren alten Erweröszweigen aögedrängr sind. Die Ueberführung zur Landwirtschaft wird auf die nicht jüdische Bevölkerung einen gewaltigen Eindruck machen und den Antisemitismus wirksam bekämpfen. Die Zielbewußte Arbeit soll bereits in der Schule einfetzen und bei der eigentlichen Berufswahl ihren Abschluß finden. Frau Justizrat M e y e r - Stargard—Berlin trat dafür ein, die Beratung der Knaben und Mädchen möglichst getrennt abzuhalten, die weibliche Berufsberatung ausschließlich in die Hände der Frauen zu legen und bei der Beratung der männlichen Jugend die Frauen nicht auszuschalten. Die Herren Neustätter-München, Laskar-Hamburg, Jäckel-Cassel, Wronker-Franksurt a. M. und Lachs-Posen berichteten über die ö r t -! i ch e n Erfahrunge n der einzelnen Beratungsstellen. Die Beschlußfassung über den Antrag der DanZiger Beratungsstelle wurde mit Rücksicht aus die vorgerückte Zeit vertagt: dagegen wurden die Leitsätze des Predigers Goldmann-Herford in folgcuber Form angenommen: 1. Die örtlichen Beratungsstellen baben ihre Organisation weitgehend auszubauen, Vertreter beider Geschlechter unter möglichster Berücksichtigung aller Berufe zur Mitarbeit heranzuziehen und für erforderliche Ausbildung ihrer Mitglieder Sorge' zu tragen. 2. Jeder Beratung ist die Entscheidung eines Arztes Zugrunde zu legen. 3. Die Beratung hat planmäßig durch persönliche Einwirkung zu erfolgen und ist individuell zu gestalten. Die Zuführung Zu manueller Betätigung ist weitgehend Zu -ordern, doch sind jeder Zwang und jede gewaltsame Beeinflussung zu vermeiden. Die Betätigung in der mittleren und unteren Beamtenlaufbahn ist in bescheidenem Umfange zu erstreben. 4. Jede Beratungsstelle arbeitet Hand in Hand mit einem Stellennachweis und der interkonfessionellen Beratungsstelle. 5. Bei der Wahl des Lehrherrn soll dessen Tüchtigkeit, Ruf und Charakter ausschlaggebend sein: dem Lehrling ist die Möglichkeit, seiner religiösen Betätigung zu wahren.

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