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Im deutschen Reich · 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · p. 413

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 10 (Oktober 1918)
Article
Ein verärgerter Maler
Date
1918-10-01
Page
413 (sequence 2)
Language
German
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Wissenschaft und §un\i — Bücherschau 413 den deutschen Hochschulen, daß die Minister,, denen in den Bundesstaaten die Kunstpjlege untersteht und ihre Ministerialräte ausschließlich Nichtjuden sind; aber ich kann mich da vielleicht irren, und ich lasse mich gern von Ihnen durch Tatsachen belehren. Ueörigens kann es mit dieser Semitisierung doch nicht ganz so schlimm sein, denn der „echt deutsche Gedanke", wie Sie mir seinerzeit schrieben, sine Ausstellung „Die schöne deutsche Heimat" Zu veranstalten und die Einladung an Sie ging von dem ergebenst Unterzeichneten Semiten aus. Der Tragödie soll aber auch das Satyrspiel nicht fehlen. Ein hiesiger Kunstfreund hat mich ersucht, bei Ihnen nach dem Preis Ihres Bildes „Bauernpaar" anzufragen, da er Liebhaber für das Bild sei. Nun darf ich Ihnen aber nicht verschweigen, daß dieser Liebhaber Jude ist (wie es denn diese Leute nicht unterlassen können, immer und immer wieder die Kunst durch den Ankauf von Kunstwerken Zu unterstützen); ich befürchte nun, daß Sie, Herr Professor, Ihre Gesinnung nicht nur durch die Lehre, sondern auch durch die Tat beweisen, daß Sie nicht wie der selige, duldsame Fontane ausrusen: „Kommen Sie, Cohn", sondern den Verkauf an einen Semiten aölehnen. Oder? Nein, schon der Gedanke wäre, für Sie deutscher Mann, halb Bartels, halb Wackenroder im Herzen, beleidigend. Dre JudsnTrecherer führt nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Ländern zu grotesken Jrrtümern. Das „Pariser Journal des Debets" behauptet, der Komponist St. Sa ens sei Jude und heiße eigent* lich Cohn. (Wie sollte er auch anders heißen! Der Erfindungsgei st der Antisemiten ist überall gleich dürr.) Dieser Jude, dieser altersschwache Neidhammel verunglimpfe nicht nur Richard Wagner, sondern auch Goethe. — Mit Freude wurden die Ausführungen der Pariser Zeitung von dem Berliner Antisemitenblatt, das den irreführenden Namen „Wahrheit" führt, abgedruckt. (Nr. 35 vorn 31. Aug. 18.) Die Wahrheit aber ist folgende: St. Saens entstammt einer alten konservativen französischen Familie. Sein Vater war höherer Offizier, wenn wir nicht irren, General. Schon mit 20 Jahren war St. Saens an einer Pariser Kirche als Organist angestellt. In seinen Werken nehmen die Kompositionen neutestament-. licher und christlich-liturgischer Texte einen breiten Raum ein. Allerdings hat St. Saens auch eine Oper geschrieben mit dem verfänglichen Namen „Samson und Dalila". Was lag für einen Antisemiten nun näher, altz aus Grund dieser Oper Herrn St. Saens nachzusagen, er heiße eigentlich Cohn? Semi-Kürschneriaden! Rabb. Or. A. Tänzer: „Die Geschichte der Juden in Brsst-LitoWft." Berlin 1918. Verlag von Louis Lamm, lieber Ostjuden wird heute viel geschrieben, meistens aber nur zu parteipolitischen Zwecken oder doch von ähnlichen Tendenzen beeinflußt. Hier liegt eine Schrift vor, die, ohne politische Fragen zu streifen, allein die Vergangenheit einer der größten ostiüdischen Gemeinden behandelt und in ihrer Sachlichkeit die. weitesten Kreise interessieren muß. Tänzer schildert die Geschichte Brest-Litowsks während der letzten sechs Jahrhunderte. In die Zeit des polnischen Königreichs führen den Leser zahlreiche Schutzbriefe, Privilegien und Verhandlungsöerichte, die vermutlich typisch auch für die Ereignisse in anderen Gemeinden sind. Der Vierländersynode, deren staatsrechtliche Grundlagen und finanziellen Kompetenzen dem Historiker Anregung genug bieten können, wird eine eingehende Behandlung Zuteil. Den Schluß bildet eine Darstellung der GemeindeorFLnisaLiOn und -Institutionen, die durchweg dem ZerstörungZwerks vorn September 1915 zum Opfer fielen. " r.

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