Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1918)
- Article
- Volk in Rot und Fremdenverkehr
- Date
- 1918-10-01
- Page
- 410 (sequence 2)
- Language
- German
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410 Im deutschen Reich Wehner aus EhrwalL eine längere Erwiderung schickte. Wir entnehmen ihr folgende Sätze: „Die Tonart, in der Herr Kuöat geschrieben, geht doch über alles Maß und sein^ Artikel ist, wenn ihm nicht energisch widersprochen wird, wohl recht geeignet, das hohe Ansehen, welches Tirol bisher als ein so beliebtes Reiseziel Hunderttausender genossen, schwer zu beeinträchtigen. Was wir Berkehrsfreunde in jahrzehntelanger, mühseliger Arbeit aufgebanh Zum enormen wirtschaftlichen Vorteil Tirols, wird durch solche maßlose Hetze gegen den Fremdenverkehr aufs schwerste geschädigt. Man bedenke doch, daß die Millionen tiroLischen Geldes im Fremdenverkehr investiert sind, und daß es ein furchtbarer wirtschaftlicher Schlag für Tirol wäre, wenn die großen Werte, die z. B. in beit Hotel- und Pensionenanlagen im Lande stecken,' durch solche verkehrsfeindliche Hetze mutwillig unrentabel gemacht würden. Kuöat nennt die Fremden „nichtstuende, land- und ölutfremde, kriegswucherische, hebräische Parasiten". Wenn auch vereinzelt solche Elemente unter den vieler? Tirolreisenden sein mögen, so geht es doch nicht an, so im allgemeinen von den doch vorwiegend hochangesehenen Familien, die in der Hauptsache die Menge der Erholungsreisenden ausmachen, zu sprechen. Geradezu kindisch wirkt aber der Kubatsche Schluß: „Gehen wir Zu unserem Kaiser und schütten unser Herz aus, dann sagen wir vieles, sehr vieles, was er jedenfalls nicht weiß." Erst die fulminante, aufreizende und drohende Sprache und dann dieser Umschlag in kindlich-liebe Harmlosigkeit: „Ich sag es dem Herrn Lehrer" und „Lieber Gott, mach mich fromm, daß ich in den Himmel komm." Das Eingesandt schließt mit folgender Befürchtung: „Die Erinnerung daran könnte zudem den Krieg überdauern und als Schau d bla LL an Tirol haften bleiben." Es ist bezeichnend, daß die „Innsbrucker Nachrichten" wider Brauch und Anstand den Abdruck der Erwiderung übgelehnt haben. Sie hat daraus in der „Rundschau des Oesterreichischerr VerkehrsverbandeS" (Nr. 7) Unterschlupf gefunden. Verurteilung sürss snLifemrLischrn Redakteurs in Ungarn. Jrtz Oktober 1917 erschien ln dem Fünfkirchner ungarischen-Tagblatt' „Dunantul" ein blutrünstiger Hetzartikel gegen die Juden. In dem Artikel wunden die Juden im allgemeinen der Ehrlosigkeit, des Wuchers, der Preistreiberei usw. beschuldigt und die Bevölkerung aufgefordert, dick Juden zu verfolgen und tätlich zu insultieren. Wegen dieses Artikels klagte der Vertreter der F ü n f k i r ch n e r Kultusgemrinde den verantwortlichen Redakteur des Blattes, Emmerich Linder, vor dem dortigen Gericht an. Bei der kürzlich abgehaltenen tzanptverhaMlang erklärte sich der Angeklagte für nichtschuldig und behauptete, mit dem Artikel keine Aufreizung gegen eine bestimmte Konfession, sondern nur eine Antwort au' die provozierende Haltung der jüdischen Preistreiber beabsichtigt zu haben. Aus die Frage des Klagevertreters, warum der Angeklagte sich bloß gegen die jüdischen Preistreiber und nicht auch gegen die nichtjüdischen Preistreiöer und Kriegsgewinner, die doch in größerer Zahl bekannt seien, gewendet habe, blieb der Angeklagte die Antwort schuldig. Der angsklagte Redakreur wurde schließlich, wie Fr. Blochs „Oesterreichische Wochenschrift" vom 6. September mitteilt, zu acht Tagen Gefängnis verurteilt. In der Begründung wird' darauf hingewiesen, daß "der htMmtrtierte Artikel beim besten Willen' nicht anders als eine Pauschalvsrdächtigung des gesamten Judentums aufgefaßt werden konnte und daher geeignet "sei, den konfessionellen Haß zu schüren. Der Angeklagte legte gegen das Urteil Berufung ein.